Kilianihof



Westfalen von seiner schönsten Seite

Ein Großteil des Bodens vom Kilianihof besteht aus Kalkstein- Verwitterungsboden. Darauf wird überwiegend Getreide angebaut.
Betriebsleiter in Getreidefeld

Bei Lichtenau in Westfalen begegnen sich gleich drei spektakuläre Landschaften: der Naturpark Teutoburger Wald, das Eggegebirge und die Paderborner Hochfläche, eine in Jahrtausenden geprägte Kulturlandschaft mit idyllischen Wanderwegen. Die sympathische Mischung aus ländlichem Charme und urbaner Infrastruktur macht Lichtenau zum idealen Ausgangspunkt für Wanderurlauber. Vor allem Menschen aus dem nahe gelegenen Holland verbringen hier seit Jahren immer wieder gerne ihren Sommerurlaub.

Etwas außerhalb der kleinen Stadt liegt unser Hof, der Kilianihof, auf 350 Metern Höhe, inmitten einer abwechslungsreichen, hügeligen Landschaft mit wunderschönen Tälern. Der Aussiedlerhof wird in der fünften Generation von uns, der Familie Böhner, bewirtschaftet. 1967 wurde es für den Stammbetrieb im Städtchen zu eng, sodass mein Vater sich für eine Aussiedlung des Hofes an den Stadtrand entschied. 1985 wurde der Betrieb von mir, Hartmut Böhner, übernommen und 1989 auf ökologischen Landbau umgestellt.

Mittlerweile bauen wir auf rund 130 Hektar Getreide, Gemüse und Grünland an. Ein Großteil unseres Bodens besteht aus Kalksteinverwitterungsboden und ist damit für den Gemüseanbau nicht geeignet. Aber auf rund 60 Hektar wachsen Kohlgemüse, Steckrüben, Porree und Staudensellerie in Öko-Qualität. Der Name des Hofes geht übrigens auf den heiligen Sankt Kilian zurück. Der irische Wandermönch war ein eifriger Missionar und ein bisschen ist es mir so mit dem Öko-Landbau gegangen.

1967 wurde es im Dorf zu eng, der Hof wurde ausgesiedelt. Viele fleißige Hände ernten Ende August den Brokkoli.
Brokkoliernte
Nur ein Teil der Ackerfläche ist für den anspruchsvollen Gemüseanbau geeignet.
Porreefeld
Hartmut Böhner gibt seine Begeisterung für den Öko-Landbau gerne an die nächste Generation weiter. Die Landwirtschaftsschüler hören ihm gespannt zu.
Studentengruppe in Feld

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Vom Saulus zum Paulus

Dass ich heute Öko-Bauer bin, war am Ende meines Studiums überhaupt nicht abzusehen. Während meiner Zeit als Versuchstechniker an der Uni war ich davon überzeugt, dass einzig mit konventionellen Anbaumethoden vernünftige Erträge zu erzielen sind. Ohne chemisch-synthetische Stickstoff-Phosphor-Kali-Düngung konnte ich mir gar kein Wachstum vorstellen.

Bis 40 Studenten eine Bio AG gründeten, der Universität einen Hektar Versuchsfläche abtrotzten und wir diese bewirtschaftet haben. Mein Aha-Erlebnis hatte ich, nachdem die ersten Ernten eingefahren waren: Die auf schweren Kleiböden angebauten Öko-Feldfrüchte übertrafen in der Deckungsbeitragsrechnung, die auf guter Erde angebauten, konventionellen Früchte.

Als ich das erste Mal in einem Dinkel stand, der ohne chemischen Dünger 1,80 Meter groß gewachsen war, empfand ich das als Weltwunder. Soweit hatte ich mich damals von den natürlichen Prozessen entfernt. Heute bin ich froh, dass ich im Kopf umschalten konnte und den ganzen Druck des konventionellen Landbaus hinter mir gelassen habe. Ich genieße die sportliche Herausforderung, konventionelle Erträge, auf ökologischem Weg zu erwirtschaften.

Im ökologischen Landbau übernehmen Gründüngungspflanzen die Aufgabe von Düngemitteln. Sie reichern den Boden mit Nährstoffen an.
Betriebsleiter prüft Gründüngung
Auf den hügeligen Feldern werden unter anderem Sellerie, Kohlsorten und Steckrüben angepflanzt.
Selleriefeld
Konventionelle Erträge mit ökologischen Mitteln zu erreichen, sieht Hartmut Böhner als sportliche Herausforderung.
zwei Männer in Maisfeld

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Die Frost-Böhner Dammkultur

Durch den Anbau auf Dämmen wird das Gemüse optimal mit Nährstoffen und Wasser versorgt.
Feld mit Gemüse auf Dämmen

Meine Vergangenheit als Versuchtechniker kann ich dennoch nicht verleugnen. Zusammen mit Peter Frost, dem Inhaber einer Firma für Maschinenbautechnik, habe ich eine alte, traditionelle Anbautechnik weiterentwickelt, zur Frost-Böhner Dammkultur.

Alle Kulturen bauen wir in der Dammkulturtechnik an. Das kennt man bisher nur aus dem Spargel-, Kartoffel- oder auch Erdbeeranbau. Wir machen das auch mit Getreide, Zuckerrüben und Kohl. In der vergrößerten Erdoberfläche der Dämme kann mehr Sonnenenergie und mehr Wasser gespeichert und den Pflanzen zugeführt werden. Durch die dort wirkenden Kapillarkräfte ist es nie zu trocken oder zu nass für die Pflanzen und die Pflanzenwurzeln dringen viel schneller in den Boden ein als beim Flachanbau. Auch Regenwürmer lassen sich mit der Dammkultur wesentlich besser fördern und aufbauen.

Normal angebaute Kohlrabis wiegen zwischen 200 und 300 Gramm. Unsere Kohlrabis werden bis zu fünf Kilogramm schwer. Wir bauen zwar weniger Pflanzen pro Hektar an, dafür werden die einzelnen Pflanzen aber größer.

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Haute Couture statt Konfektionsware

Öko-Gemüse wächst nicht nach Vorschrift. Hartmut Böhner wünscht sich mehr Spielraum bei der strengen Normierung.
Gemüsekisten

Bio-Gemüse ist keine Massenware. Wir sind unter dem Stichwort Artenvielfalt angetreten und wir arbeiten rückstandsfrei. Das ist unser Hauptansinnen. Der bewusste Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel führt, quasi wie bei den Kleidungsstücken der Haute Couture, zu Unikaten. Jeder Bio-Kohlkopf ist ein Unikat. Jeder Bio-Kohlrabi ist ein Unikat. Manche werden größer als andere, runder, flacher oder hatten, während sie wuchsen, Besuch von einer Raupe oder einem Käfer, der eine kleine Spur hinterlassen hat.

Den starren Qualitätsansprüchen großer Einkäufer genügen diese individuell gewachsenen Gemüse oft nicht. Die Mitarbeiter der Paderborner Tafel dagegen, die regelmäßig unsere Überschussware abholen, freuen sich über das zwar normwidrige, aber gegen jede Norm gesunde und aromatische Gemüse. Wir wünschen uns deshalb Handelspartner, die mehr auf die eigentlichen Öko-Ziele fokussiert sind. Die kleine qualitätsmindernde Elemente, die der ökologische Anbau mit sich bringt, akzeptieren.

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Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird unser Kilianihof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Gäa-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer D-NW-005-07014-ABD geführt wird.

Weitere Informationen:

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Wo der Wind weht

Auf der Paderborner Hochfläche weht viel Wind. Schlecht für Schadinsekten, gut für die nachhaltige Energiegewinnung.
Studentengruppe vor Windkraftanlage

Die Gegend hier ist sehr windig. Vielen Gemüseschädlingen gefällt das Gott sei Dank gar nicht. Uns dagegen schon. Wenn ich meinen Blick schweifen lasse, blicke ich auf rund 150 Windkraftanlagen. Die Anlage in Lichtenau-Harkenberg zählt zu den größten Binnenwindparks in Deutschland. Unseren eigenen Strom erzeugt seit zwei Jahren eine 30 Kilowatt Fotovoltaikanlage. Damit decken wir unseren gesamten Stromverbrauch. Außerdem gewinnen wir unser Brauchwasser selbst und arbeiten im Klärbereich mit Pflanzenklärbeeten.

Der ursprüngliche Hof bot nicht ausreichend Platz für unsere wachsende Familie. Deshalb haben wir auf dem Gelände ein kanadisches Baumstammhaus errichtet. Die Holzstämme und das begrünte Dach schaffen ein ideales Raumklima, indem sich die Familie ausgesprochen wohl fühlt.

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