Naturland Hof Neuhof



Ökologischer Landbau zwischen zwei Extremen

Mann auf Acker mit Schild
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Wie alle biologisch wirtschaftenden Betriebe arbeiten wir ohne den Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut.

Unser Dorf mit rund 600 Einwohnern liegt südwestlich von Darmstadt direkt am Rheinufer. Landschaftlich zählt es zum Hessischen Ried, das den nordöstlichen Abschnitt der Oberrheinischen Tiefebene mit seinen geringen Niederschlägen und einer ausgeprägten Vorsommertrockenheit beschreibt. Bei knapp zehn Grad Celsius Durchschnittstemperatur gedeihen Sonderkulturen wie Anis und Petersilie besonders gut.

Unsere Betriebsflächen grenzen an ein Naturschutzgebiet. Die Böden zeichnet ein extrem hoher Tonanteil von bis zu 65 Prozent aus. Diese so genannten "Minutenböden" nehmen schnell Feuchtigkeit auf, sind schmierig und trocknen nur langsam ab. Bei schweren landwirtschaftlichen Fahrzeugen besteht die Gefahr, dass der Boden verdichtet wird, wenn man die Felder und Wege befährt. Um dem vorzubeugen, muss der Bearbeitungszeitpunkt genau abgepasst werden. Eine Verdichtung wirkt sich negativ auf das Wasserhaltevermögen des Bodens und die Verfügbarkeit von Nährstoffen im Boden für die Pflanzen aus. Die Sommertrockenheit wiederum verfestigt den tonreichen Boden und erschwert dadurch die Bearbeitung.

Meine Frau Hannelore und ich, Stefan Ruckelshaußen, bewirtschaften den Neuhof. Wir bauen nach den Richtlinien des Naturland Verbandes unter anderem Kartoffeln "mit Gesicht" an.

Wohnhaus
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Der Neuhof liegt am Dorfrand von Allmendfeld und ist seit 2002 ein Naturland Betrieb.
Hofansicht
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Allmendfeld wurde in den 30er Jahren gegründet; es zählt damit zu den jüngsten Orten Hessens.
Rotklee
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Rotklee hat sowohl als Leguminose wie auch als Heilpflanze eine besondere Bedeutung.

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Körnerdrogen und andere Sonderkulturen

Neben Weizen "mit Gesicht", Anis und Petersilie bauen wir auf rund 65 Hektar Ackerland Zuckerrüben, Rotklee und Raps an. Aufgrund der vorab geschilderten klimatischen Bedingungen sind unsere Flächen allesamt beregnungsfähig. Die Inhaltsstoffe des Rotklees, den wir als Heilpflanze anbauen, werden in der Frauenheilkunde eingesetzt. Im ökologischen Landbau haben Hülsenfrüchte wie Klee außerdem aufgrund ihrer Fähigkeit, dem Boden Nährstoffe (Stickstoff) zu liefern, eine hohe Bedeutung. Auf dem Neuhof bauen wir bis zu 30 Prozent Kleeluzernegras im Gemisch an.

Anis gehört unter den einjährigen Arzneipflanzen zu den Körnerdrogen, bei denen der Inhaltsstoff der Samen industriell genutzt wird. Als "Droge" wird die getrocknete Ware im pharmazeutischen Sinne bezeichnet. Durch Destillation gewonnenes Anisöl wirkt antibakteriell und schleimlösend.

Wir bauen außerdem eine lokale Kürbissorte an, aus dessen Kernen ein Speiseöl gepresst wird. Mit seinem ausgeprägten Nussaroma findet Kürbiskernöl Verwendung in der Verfeinerung von Salaten und Suppen und gilt aufgrund des hohen Anteils an einfach und mehrfach gesättigten Fettsäuren als gesundheitlich wertvoll.

Als Rohstoff für Bio-Zucker bauen wir Zuckerrüben an. Die Zuckerausbeute der Rüben beträgt etwa 16 bis 17 Prozent. Seit 2008 stellen wir auch einem Gärtner einen Teil unserer Fläche für den Anbau von ökologischem Gemüse zur Verfügung.

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Ökologisches Handeln auf unserem Betrieb

Saatbettbereitung
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Eine pfluglose Saatbettbereitung erhält die Bodenstruktur.

In einer Maschinengemeinschaft mit vier anderen Landwirten nutzen wir überbetrieblich einen Schlepper, der auf der Basis von Pflanzenöl betrieben werden kann (Zweitanksystem). Insgesamt setzen wir den Schlepper gemeinschaftlich auf 1.100 Hektar für die Saattechnik, die Kurzscheibenegge und den Grubber ein. Egge und Grubber dienen der Vorbereitung des Saatbettes.

Bei der Bodenbearbeitung spielt auf unserem Betrieb die Egge zum Zerkleinern von Erdschollen nach dem Grubbern oder vor der Saat eine wichtige Rolle, weil wir unter Berücksichtigung von Standort und Boden in der Regel keinen Pflug einsetzen oder den Boden nur extrem flach wenden. Aus Gründen des Bodenschutzes spricht vieles für den Einsatz nicht wendender Maschinen: So bleibt der natürliche Schichtenaufbau des Bodens erhalten und das bewirkt wiederum eine höhere bodenbiologische Aktivität.

Auch privat gilt mein Interesse der Umsetzung ökologisch sinnvoller Ideen, wie zum Beispiel der Energiegewinnung durch Photovoltaikanlagen auf unseren Gebäudedächern.

Mann auf Schlepper
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Die Bodenbearbeitung vor der Saat ist abhängig von Pflanze, Saatgut und Sämethode.
Anhänger in Trocknungsanlage
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Die Kräuter werden direkt nach der Ernte in die Trochnungsanlage gebracht.
Mann auf Acker
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"Ökologisch" und "biologisch" sind gesetzlich geschützte Begriffe.

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Kontrolle: Wichtig für Erzeuger und Verbraucher

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Hof einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und der Naturland Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der wir unter der Kontrollnummer D-HE-LDK-005-32560-AD geführt werden.

Zusätzlich sind wir nach dem Qualitätssicherungsstandard GLOBALGAP (ehemals EurepGAP) zertifiziert, welcher insbesondere die Punkte Lebensmittelsicherheit, Umwelt- und Arbeitnehmerschutz berücksichtigt.

Weitere Informationen:

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Motivation und Engagement liegen eng beieinander

Die AGRIMED ist eine Erzeugergemeinschaft für Heil- und Gewürzpflanzen, in deren Vorstand ich auf hessischer Ebene tätig bin. Gemeinsam mit anderen Landwirten bin ich Teilhaber einer Trocknungsanlage für Heil- und Gewürzpflanzen. In der Gemeinschaftstrocknung werden Kräuter wie Petersilie, Dill Liebstock, Kapuzinerkresse oder auch Gemüse wie Spinat getrocknet.

Ich bin außerdem Vorstand im Regionalbauernverband Starkenburg und ehrenamtlicher Richter am Landwirtschaftsgericht. Nebenbei engagiere ich mich im Landschaftspflegeverband Südhessen.

Seit 2002 ist unser landwirtschaftlicher Betrieb nach den Richtlinien des Naturland Verbandes auf ökologischen Landbau umgestellt. Meine Bekanntschaft mit einem Berufskollegen, der ebenfalls Kräuter anbaut und damals schon Mitglied bei Naturland war, brachte mich dazu. In unserem Familienalltag bevorzugen wir seit jeher Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung und so habe ich die berufliche Herausforderung, die eine Umstellung auf den ökologischen Landbau bedeutet, angenommen. Der Reiz, etwas Neues auszuprobieren, besteht für mich nach wie vor bei meiner täglichen Arbeit.

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