Der "Andrebauer" war lange eine Frau

Unsere Milch "mit Gesicht" kommt aus dem Landkreis Traunstein in Oberbayern.
Auf dem Andrebauernhof leben wir, mein Mann Toni und ich, mit unserem Sohn Manfred und dem Großvater. Mit dem Jungbauer zusammen bewirtschaften wir hier im südlichen Chiemgau 32 Hektar reines Grünland. Etwa sieben Hektar davon sind Almweiden und anteilige Gemeinschaftsweiden, die wir für die Jungtiere mit anderen Landwirten der Region gemeinsam unterhalten.
Wir halten 20 bis 25 Kühe und deren Kälber; in der Regel kaufen wir keine Jungtiere zu (eigene Nachzucht). Für unsere Region ist der Andrebauernhof ein relativ großer Betrieb, der aber nicht allein von der Milcherzeugung lebt. Mein Mann Toni hat neben der Landwirtschaft eine KFZ-Werkstatt in Inzell aufgebaut.
Unser Hof ist seit 1426 in Familienbesitz und gehört zu den ältesten Gehöften in der Gemeinde Inzell. 2005 haben wir die Landwirtschaft an den Sohn übergeben. Davor führten fünf Generationen lang Frauen den Betrieb, deren Männer zumeist im Krieg gestorben waren.

Gebäudeteile des Hofes schmückt eine alte Zimmermannsarbeit aus dem 15. Jahrhundert.


Die Kühe, hier auf dem Heimweg, haben auf den betriebsnahen Flächen täglich Weidegang.
Von der Extensivierung zum ökologischen Landbau
Der Andrebauernhof ist seit 1997 auf ökologischen Landbau umgestellt. Unser Ziel war eigentlich immer schon, ökologisch zu wirtschaften, und so nahmen wir auch davor schon am Extensivierungsprogramm teil, um den Betrieb umweltfreundlich zu bewirtschaften - unter anderem durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Mit der Erfassung von Naturland Milch durch die Molkerei in Piding waren wir mit der gesamtbetrieblichen Umstellung auf die Naturland Richtlinien sofort dabei.
Eine Förderung des ökologischen Landbaus ist wegen des Mehraufwandes für die Erzeugung und Verarbeitung von Bio-Produkten erforderlich, vor allem in den ersten Jahren. Erst nach einer Umstellungszeit von zwei bis drei Jahren können die Produkte als Öko-Ware und damit zu höheren Preisen verkauft werden.
In unseren Höhenlagen von rund 700 Metern haben wir es mit Böden zu tun, die in der Regel nicht für den Ackerbau geeignet sind und nur über eine geringe Humusauflage verfügen. Die klimatischen Gegebenheiten sind speziell, aber mit der ökologischen Bewirtschaftung gut zu handhaben: Ein relativ hoher Jahresniederschlag (1.500 Liter pro Quadratmeter pro Jahr), starke Sommerregen aufgrund der Nähe zu den Bergrändern sowie eine geschlossene Schneedecke von Mitte November bis Anfang April kennzeichnen die Region.
In schneereichen Wintern liegt der Schnee monatelang bis zu eineinhalb Meter hoch, und aufgrund von Föhn haben wir erfreulicherweise viele Wintersonnentage.
Naturschutz und Tiergesundheit auf unserem Hof

Das fahrbare Kälberiglu eignet sich gut für die homöopathische Tierbehandlung.
Eine der bedeutenden Naturschutzmaßnahmen auf unserem Hof ist die Streuwiesenmahd im "Inzeller Moor". Der Pflege und Erhaltung von Streuwiesen ist wegen ihres Reichtums an Pflanzen- und Tierarten für den Naturschutz sehr bedeutend. Streuwiesen sind Feuchtwiesen, deren Mahd (Schnitt) daher nur einmal jährlich im Herbst erfolgt. Die Ernte wird als Einstreu für den Kuhstall verwendet wie andernorts - in getreidereicheren Regionen - das Stroh. Streuwiesen dürfen auch nicht organisch gedüngt werden. Sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas.
Eine wichtige Rolle spielt insbesondere auf ökologischen Betrieben außerdem die Tierhaltung. Viel Bewegungsmöglichkeit und frische Luft tun den Tieren gut und sorgen damit auch für eine hohe Tiergesundheit. Unsere Milchkuhherde halten wir deshalb in einem Laufstall mit Liegeboxen; jede Kuh hat einen eigenen Futterplatz. Die Jungtiere verbringen den Sommer auf der Alm und auf Gemeinschaftsweiden außerhalb des Betriebes; den Winter über halten wir sie in geräumigen eingestreuten Boxen. Allen unseren Rindern steht zudem auch im Winter eine Auslaufmöglichkeit nach draußen zur Verfügung.
Unsere Kälber verbringen im Sommer wie im Winter die ersten Lebenswochen in mobilen Kälberiglus an der frischen Luft. Die Zucht erfolgt mit einem eigenen Stier.
Wir werden regelmäßig kontrolliert

Vor dem Melken: Zweimal täglich bekommt die Milch ihr Gesicht.
Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Hof einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und der Naturland Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich anerkannte Kontrollstelle durch, bei der wir unter der Kontrollnummer D-BY-005-02253-A geführt werden.

