Gut Peetzig



Ein Gut mit bewegter Geschichte

Frau mit Hund auf Acker
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"Da vorne grubbert unser Mitarbeiter Horst Sattler das letzte Stück, bevor die Gerste reinkommt", zeigt Heike Böthig.

Lässt man den Blick vom Hof Gut Peetzig in die Weite schweifen, sieht man Ackerflächen auf welligen Hügeln, dazwischen eingestreut Hecken und Seen. Gut arrondiert, das heißt zusammenhängend um den Hof gelegen, bewirtschaften Betriebsleiter Ulf Dobroschke und sein Team 500 Hektar Acker- und Grünland - weiter als das Auge reicht. Angebaut werden Roggen, Dinkel, Hafer, Gerste, Lupinen und Luzerne und im Jahr 2009 erstmals Inkarnatklee und weißer Emmer für Emmer-Brote.

Heute ist das Gut mit seiner wechselvollen Geschichte in das kleine Dorf Peetzig mit seinen etwa 80 Bewohnern gut eingebunden.

Eingang zum Gutsgebäude
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Gut Peetzig wechselte im Laufe seiner Geschichte häufig seine Besitzer.

Erbaut wurde Gut Peetzig vor gut 150 Jahren als eines der Güter des Grafen von Reedern, dann wurde es im Rahmen der Bodenreform 1945 bis 1949 zusammen mit den anderen Gütern des Grafen in 50 Neubauernhöfe aufgeteilt, aus denen ein Volkseigenes Gut (VEGut) erwuchs. Als ein anthroposophischer Lesekreis aus Berlin im Jahr 1994 das Gutsgebäude erwarb und die Flächen des ehemaligen VEGutes pachtete, waren diese jahrelang brachgelegen und entsprechend verunkrautet. Auf die Landwirte wartete echte Pionierarbeit, zumal das Gut zu dem Zeitpunkt nicht einmal Maschinen besaß.

Ulf Dobroschke
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Ulf Dobroschke hat auf Gut Peetzig die Landwirtschaft von Anfang an mit aufgebaut.

Neben dem Aufbau eines biologisch-dynamischen Landwirtschaftsbetriebes hatte der Verein Pläne für soziale und Bildungsprojekte. Im Dezember 1996 gelang es, langfristige Pachtverträge mit der BVVG (Nachfolger der Treuhand) abzuschließen. Nachdem der Verein 1998 bankrott ging, entschied sich Ulf Dobroschke, der die Landwirtschaft mit aufgebaut hatte, den Betrieb auf eigene Rechnung zu erhalten. Er übernahm den hoch verschuldeten Hof vom Verein. Mittlerweile konnten auch weitere Teile der Flächen von der Pacht in den Besitz übernommen werden.

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Wirtschaftlich ackern trotz geringer Bodenfruchtbarkeit

Schlepper auf Acker
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Mit einer gut durchdachten Fruchtfolge gelingt es dem Team von Gut Peetzig, die schwierigen Böden erfolgreich zu bewirtschaften.

Die Uckermark ist eine reizvolle Endmoränenlandschaft. Aber was Radler und andere Touristen in die Gegend lockt, ist für die Landwirte nicht nur Idylle. "Die Bewirtschaftbarkeit der Böden hier stellt Leute und Technik vor eine echte Herausforderung", erklärt Simon Salewski, der als Geselle auf Gut Peetzig arbeitet. Der Name des Nachbarorts "Steinhöfel" rührt nicht von ungefähr: Sand und Steine prägen die Böden der Gegend, dazu kommen die Hügel.

Das VEGut hatte den Standort mit den mageren 25 Bodenpunkten schon 1987 aufgegeben - was macht das Team um den Landwirt Ulf Dobroschke anders, dass der Betrieb heute wirtschaftlich existieren kann?

"Der konventionelle Anbau betreibt ja keinen Aufbau der Bodenfruchtbarkeit", sagt Simon Salewski, "wir dagegen schauen, dass wir - durch eine gezielte Fruchtfolge, den Einsatz von Präparaten, Mist und Zwischenfrucht - dem Boden mehr geben als nehmen."

Mitarbeiter auf Radlader
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Für Simon Salewski bedeutet Öko-Landbau: Lebensmittel erzeugen, ohne den Boden zu zerstören.
Betriebsleiter neben Traktor
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Ulf Dobroschke hat gerade gesät und freut sich auf die nächste Ernte.
Betriebsleiter und Mitarbeiterin auf Acker
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Lagebesprechung auf dem Acker: Heike Böthig und Ulf Dobroschke tauschen sich aus.

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Erfolgskonzept Fruchtfolge

Sommerung und Winterung wechseln in der regional angepassten achtjährigen Fruchtfolge, und vor allem "abtragende" und "gebende" Frucht: Erst nach drei Jahren Luzerne oder Kleegras wird auf einer Fläche wieder Getreide angebaut. Im sechsten Jahr steht dann wieder Bodenaufbau mit Leguminosen an, im siebten und achten Jahr folgen Roggen oder Gerste. Dazwischen Hackfrüchte wie Ölrettich, Senf oder Wicken, die in den Boden eingearbeitet werden.

Während die Bodenfruchtbarkeit mit diesen Maßnahmen befriedigend aufgebaut werden kann, schafft insbesondere die Frühjahrstrockenheit in Brandenburg gravierende Probleme: "Der eigentlich begrenzende Faktor ist das Wasser", erklärt Ulf Dobroschke, der aus Überzeugung biologisch-dynamisch wirtschaftet. "In einem Jahr hatten wir gerade während der Kornfüllphase über mehrere Wochen keinen Niederschlag. Und demzufolge 60 Prozent Ausfall beim Dinkel, weil er einfach nur mickrige Körner ansetzt."

Betriebsleiter im Getreidefeld
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Ulf Dobroschke hat beobachtet, dass die Vorfruchtwirkung von Luzerne gut für das Speisegetreide ist.
Betriebsleiterteam und Beraterin auf Acker
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Antonia Gruhn von der Bio-Bäckerei Märkisches Landbrot besucht regelmäßig ihre Lieferanten und tauscht sich mit dem Team von Gut Peetzig aus.

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Gelbvieh in Mutterkuhhaltung

Rinder auf einer Weide nahe am See
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Tiere gehören in den Betriebskreislauf jedes Hofes, der biologisch-dynamisch wirtschaftet.

"Ein Kerngedanke eines Demeter-Betriebes ist der eines in sich geschlossenen Kreislaufs: Das Kleegras oder die Luzerne dienen dabei als Futtermittel für die Mutterkuhherde, deren Mist wiederum der Bodenfruchtbarkeit zugutekommt", führt Ulf Dobroschke aus. Etwa 70 Mutterkühe der beige bis gelbbraun gefärbten Rasse Gelbvieh und an die 20 Galloways gibt es auf dem Betrieb. Ganzjährig leben die Herden auf der Weide, im Winter haben zwei der Herden auch die Möglichkeit, in den Stall zu gehen.

Viele der Eigenschaften des Gelbviehs, dieses traditionellen Dreinutzungsrindes, bewähren sich in einer derartigen Mutterkuhhaltung: Die gute Milchleistung, auch ohne Kraftfuttereinsatz, ermöglicht bei den Kälbern hohe Absetzgewichte. Allgemeine Gutartigkeit und positive Muttereigenschaften bei der Aufzucht von Kälbern am Muttertier tun ein Übriges. Zudem zeichnet sich die Rasse durch gute und frühe Fruchtbarkeit und meist problemlose Kalbungen aus.

Während im ursprünglichen Zuchtgebiet in Franken die Bestände stark geschrumpft sind, wurden in den neuen Bundesländern neue Herden aufgebaut.

Rinderherde auf grüner Weide
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Die Gelbvieh-Mutterkühe stehen ganzjährig auf der Weide.
Rinderherde auf schneebedeckter Weide
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Und auch den Galloway-Rindern macht Kälte nichts aus.
Kuh schrubbt ihre Hörner an Reinigungsbürste
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Eine Bürstenmassage gönnen sich die Kühe gerne.

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Kontrolliert und zertifiziert: Unsere Produkte sind garantiert "öko"

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch der Demeter-Hof Gut Peetzig mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Demeter-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der der Betrieb unter der Kontrollnummer D-BB-037-33-AD geführt wird.

Weitere Informationen:

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"Uns geht’s nicht nur um die Landwirtschaft, sondern um die ganze Landschaft…"

Getreidefeld mit blühendem Mohn
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Für das Team von Gut Peetzig geht der Naturschutz über die Ackergrenzen hinaus.

Die Flächen von Gut Peetzig liegen in der Schutzzone III im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Innerhalb der Flächen liegen auch mehrere malerische Seen. Das Team von Gut Peetzig versteht die Besonderheit und Schönheit der Landschaft zugleich als Auftrag.

Auch außerhalb der inneren Schutzzonen gehört für sie zu einer umweltverträglichen Landnutzung mehr als nur der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger. Seither haben sich die Landwirte auch um die Landschaft verdient gemacht: Über sechs Kilometer Hecken wurden gepflanzt, Obstbaumwiesen angelegt, entlang der Wege werden Streifen mit Saumvegetation stehengelassen.

Aber Naturschutz ist für den Demeter-Landwirt eine Selbstverständlichkeit: "Uns geht es ja nicht nur um die Landwirtschaft, sondern um die ganze Landschaft." Ein Engagement aus Überzeugung: Für die Flächen, die sie mit Windschutzhecken bepflanzt haben, müssen sie weiter die Pacht an die BVVG abführen - obwohl sie nicht als Ackerflächen genutzt werden.

Auch in der politischen Landschaft sind Brandenburgs Öko-Bauern aktiv: Mit ihrem Zusammenschluss bewirtschaften sie die größte zusammenhängende gentechnikfreie Fläche Europas.

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