Betriebs-Porträt

Bioland-Hof Jäckle

Betriebsleiter im Stall
Bernhard Jäckle betreibt einen Milchviehbetrieb im Allgäu.

Bioland-Hof Jäckle
Bernhard Jäckle
Käferhofen 21
88239 Wangen

07522 22700

Sehen wo's herkommt

 
 

Hier tragen Kühe ihre Hörner

Unser Hof liegt eingebettet in die sanfthügelige Westallgäuer Landschaft. Die ruhige Gegend hier in Käferhofen, einem kleinen Weiler der Stadt Wangen, bietet die ideale Kulisse für einen Öko-Bauernhof wie unseren. Weiden, Waldstücke, verwinkelte Wiesen, kleinere Baumgruppen, Böschungen, Hecken und hier und da ein Bächlein prägen das Bild der Landschaft – und überall gibt es Kühe, die das frische Grün, die Sonne und das Draußensein genießen. Auch wir halten wie die meisten unserer Nachbarn traditionell Milchvieh.

Den Hof habe ich, Bernhard Jäckle, 1983 von meinen Eltern übernommen und betreibe ihn seither gemeinsam mit meiner Frau Anita. In die Arbeit bin ich hineingewachsen, denn ich konnte von klein auf meinen Eltern über die Schultern schauen. Deshalb habe ich auch keine Ausbildung als Landwirt absolviert, sondern einen kaufmännischen Beruf erlernt – und mir so einen scharfen Blick auf Zahlen angeeignet, der mir am Hof immer wieder hilft.

Wir bewirtschaften rund 30 Hektar Fläche und halten im Schnitt 30 Milchkühe. Das Besondere an ihnen ist, dass sie Hörner tragen. Das war schon so, als meine Eltern den Hof noch geführt haben, weil es für uns einfach undenkbar ist, sie ihnen zu stutzen. Wir sehen in den Hörnern nicht nur die "Waffen", die die Tiere zur Verteidigung brauchen, sondern wir sind überzeugt, dass sie noch andere Funktionen, zum Beispiel beim Stoffwechsel haben. Kurz: Sie gehören einfach dazu.

Artgerechte Tierhaltung zum Wohl unserer Kühe

Natürlich bekommen die Rinder deshalb viel Platz, damit sie sich nicht verletzen: In der warmen Jahreszeit sind sie Tag und Nacht draußen auf den Wiesen, den Winter verbringen sie im geräumigen Laufstall. Dabei ist alles so angelegt, dass die Kühe beliebig hinaus- und hineingehen können. So erleben wir es im Sommer oft, dass sie bei Hitze schon am Vormittag wieder in den kühleren Stall kommen und lieber nachts auf die Weide trotten. Im Winter hingegen beobachten wir, wie sie stundenlang im Schnee stehen oder sich die weißen Flocken auf den Rücken fallen lassen. Um ihr "Wohlfühl-Programm" abzurunden, haben wir im Hof Bürsten angebracht, wo sie sich jederzeit das Fell schrubben können.

Während der warmen Monate fressen die Kühe das frische Gras und die Kräuter unserer Weiden, im Winter gibt es Heu und Öhmd sowie Grascops. Als Heu bezeichnen wir hier den ersten Schnitt der Wiesen, als Öhmd den zweiten und die folgenden Schnitte. Grascops sind getrocknetes und zu Pellets gepresstes Gras.

Da ich viel Zeit mit den Tieren verbringe und jedes genau kenne, sehe ich sofort, wenn ein Tier einmal schwächelt oder gar kränkelt. Oft kann ich deshalb, noch bevor es wirklich ernst wird, mit sanfter Medizin und Homöopathie gegensteuern.

Schon lange auf dem Öko-Weg

Dieser sanfte Weg ist für meine Familie und mich etwas Selbstverständliches. Schon seit Langem stand für uns fest, dass wir unseren Hof nicht auf Leistung trimmen würden, und haben ihn deshalb tiergerecht gestaltet. Kühe sind für uns keine Milchmaschinen, entsprechend behandeln und füttern wir sie. Das Gleiche gilt für unsere Flächen, auf die wir weder chemisch-synthetische Dünge- noch Pflanzenbehandlungsmittel auftragen.

Stattdessen achten wir auf geschlossene Kreisläufe und führen dem Boden das an Dünger zu, was unsere Tiere als Mist und Gülle ausscheiden. Auch halten wir nicht mehr Tiere als wir von unseren Flächen versorgen können. All diese Aspekte sind Puzzle-Steine, die sich im Laufe der Jahre zu einem Bild zusammengefügt haben. Am Ende brauchten wir nicht mehr auf den Öko-Landbau "umstellen", denn wir waren längst diesen Weg gegangen. Der Verbandsbeitritt bedeutete nur den letzten Schritt.

Öko-Kontrollen schaffen Vertrauen

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Bioland-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Bioland-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer De-BW-006-13446-AD geführt wird.

Weitere Informationen:

  • <link http://www.bioland.de/ _blank linkext "öffnet in neuem Fenster">Website des Bioland-Verbandes</link>

Uns macht die Landschaftspflege Spaß

Doch unsere Liebe zur Natur schlägt sich nicht nur in der täglichen Arbeit und der Betriebsführung nieder. Wir hängen sehr an der Landschaft und ihren Besonderheiten. Deshalb pflege ich Wiesen und kleine Biotope, die schon mein Vater erhalten hat. Zwar käme es billiger und würde mir viel Zeit ersparen, wenn ich die Flächen verwalden lasse oder anderweitig nutzen würde, doch dann ginge für mich ein Stück Heimat verloren.

Die Gegend hier würde binnen weniger Jahre nicht mehr so aussehen, wenn das Engagement nicht wäre – meines und das vieler anderer Landwirte. Zum Beispiel pflege ich, wie es schon meine Eltern taten, eine rund 70 Bäume zählende Streuobstwiese, auf der die verschiedensten Obstsorten (Äpfel, Birnen und Zwetschgen) wachsen. Hier hat sich über die Jahrzehnte ein artenreiches Biotop entwickelt, das von Umweltschützern als besonders wertvoll geschätzt wird. Wir setzen überwiegend auf alte Sorten und verzichten auch hier auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenbehandlungsmitteln. Das Obst ist zwar optisch nicht so schön wie die konventionellen Früchte, doch geschmacklich bringt es genau das, was für einen guten Saft zählt.

Als schützenswert sind auch unsere vielen Hecken eingestuft, die zahlreichen Pflanzen und Tieren ein Zuhause bieten. Nichts anderes gilt für die Biotope, die wie Farbkleckse auf unsere Flächen gesprenkelt sind: hier ein feuchter Hain mit Birken, Eschen und Weiden, dort eine Feuchtwiese, aus deren Mitte ein Weidenbaum und eine Böschung ragen. Nicht zuletzt klafft hinterm Haus, gut verborgen in einer Wildnis aus Sträuchern und Bäumen, eine zehn Meter tiefe Schlucht im Boden. Ein unscheinbares Bächlein hat hier im Lauf der Jahrhunderte einen Tobel geformt.

All das pflegen und erhalten wir, ohne nach dem wirtschaftlichen Erfolg zu fragen. Denn es geht um etwas anderes: Es muss Spaß machen und gefallen. Ich lebe hier und es würde mich stören, wenn sich durch meine Nachlässigkeit oder Gleichgültigkeit das Bild der Landschaft ändern würde.

Rechenspiele und Wünsche für die Zukunft

Auf die Zahlen schaue ich an anderer Stelle: Vor allem wenn Investitionen anstehen, kalkuliere ich hart und genau. Ein neuer Traktor sollte zum Beispiel nicht nur in der Anschaffung preiswert sein, sondern auch in den laufenden Kosten wie bei Wartung und Treibstoff. Ebenso überlege ich stets, wo sich Wege einsparen lassen und fahre (beispielsweise) nur soviel mit dem Traktor wie nötig.

Auch mein Energiekonzept richtet sich an Sparsamkeit aus. So greifen wir schon seit Jahrzehnten auf das Prinzip der Wärmerückgewinnung zurück. Wir nutzen die Wärme, die beim Milchkühlen anfällt, um damit Wasser zu erhitzen, das entweder zum Reinigen der Melkanlage oder im Wohnhaus als Warmwasser zum Einsatz kommt. Überhaupt ist unser Haus so ausgelegt, dass wir ohne Strom heizen und kochen können: Kachelofen und Heizungsherd feuern wir mit Holz aus unseren rund drei Hektar Wald. Seit 2010 gewinnen wir außerdem mit einer Fotovoltaik-Anlage Strom und speisen ihn ins öffentliche Netz.

Viele Neuerungen, die ich anschaffe, zielen darauf, den Hof nachhaltig und zugleich zukunftsfähig zu entwickeln. Denn es ist ein großer Traum von mir, dass ich dieses Erbe einmal ruhigen Gewissens in die Hände meiner Kinder legen kann. Ich möchte gern zeigen, dass die Landwirtschaft ein schönes Berufsfeld bietet und wie viel man als Einzelner auf bestimmten Gebieten bewegen kann. Mit unseren beiden Töchtern und dem Sohn lebt bereits die fünfte Generation Jäckle am Hof. Und es wäre schön, wenn jemand von ihnen diese Tradition und mein Wirken fortsetzt.

Allgäuer Bio-Milch für Milchprodukte "mit Gesicht"

Wir betreiben ökologische Milchviehhaltung und liefern die Milch an die Zurwies Frische GmbH. Sie fertigt daraus feine Milchprodukte, die in den Feneberg-Filialen im Allgäu unter der regionalen Bio-Marke VonHier angeboten werden.

Außerdem ernten wir von unserer Streuobstwiese Äpfel, Birnen und Zwetschgen, die wir vor allem als Saftobst vermarkten.

Bio vor Ort