Betriebs-Porträt

Hof Höllwangen

Mitglieder der Hofgemeinschaft auf Baumgruppe sitzend
Viele Gesichter, ein Ziel: Auf dem Hof Höllwangen werden seit 1988 hochwertige Bio-Produkte nach biologisch-dynamischen Richtlinien erzeugt.

Hof Höllwangen eG
Klaus Niedermann
Höllwangen Nr. 15
88662 Überlingen Höllwangen

07551 3584
07551 66931

info(at)biohof-hoellwangen.de
www.biohof-hoellwangen.de

Sehen wo's herkommt

 
 

Mit Landwirtschaft dem Menschen helfen

Der Bio-Hof Höllwangen liegt nur drei Kilometer vom nordwestlichen Ufer des Bodensees entfernt. Sein Namen geht vermutlich auf "Wang" für "Hang" und "Höll" für die "Höhe" zurück. Der "Hang auf der Höhe" – was bei den 600 Höhenmetern, auf denen der Hof liegt, und der schönen Aussicht über den Bodensee bis zum Säntis rundum passt. Seine Geschichte reicht mindestens bis ins Jahr 1226 zurück, denn in diese Zeit fällt die erste urkundliche Erwähnung.

Die Familie des heutigen Besitzers Klaus Niedermann lebt hier seit 1878, das heißt, mit seinen Kindern wächst die siebte Generation heran. Als er in den 1980er-Jahren seine Ausbildung absolvierte, lernte der junge Landwirt noch an einem konventionell wirtschaftenden Betrieb und bekam so die Gewissheit, dass dies für ihn kein zukunftsfähiger Weg sein kann. Deshalb stellte er seinen Hof 1988 auf biologisch-dynamischen Landbau um.

Höllwangens Philosophie steht nicht nur für Umweltschutz, sondern auch dafür, dass Landwirtschaft und Sozialgedanken Hand in Hand gehen. Schon seit Jahren bietet der Betrieb verschiedene Projekte für Kinder und Schulklassen an sowie Seminare für Erzieher, Pädagogen und andere Interessierte. Zudem gibt es mehrere Ausbildungs- und Praktikumsplätze sowie Stellen für Ferienjobs.

Wo der Acker zum Versuchslabor wird

Am Hof arbeiten außer Familie Niedermann zwei weitere junge Familien, eine Gesellin und drei Auszubildende sowie im Sommer einige Saisonkräfte zur Aushilfe. Gemeinsam packen sie zu: in der Landwirtschaft, bei der Betreuung der Ferienwohnungen, im Hofladen, im Stall, in der Organisation und in anderen Bereichen.

Hin und wieder widmet ein Lehrling, Student oder Geselle dem Hof seine Abschluss- oder Studienarbeit, und so gibt es mehrere Texte zu Hofgeschichte, Landwirtschaft und den Forschungsschwerpunkten vor Ort. Höllwangen ist nämlich nicht nur ein Vieh- und Ackerbaubetrieb, der Rinder und Schweine hält und wo Zwiebeln, Möhren, Kartoffeln und Kürbisse wachsen. Hier finden sich auch Forschungsflächen.

Die Mannschaft baut Getreidesorten an, die vom Keyserlingk-Institut entwickelt werden. Diese Forschungsstelle hat ihren Sitz rund 20 Kilometer entfernt: auf dem Rimpertsweiler Hof, einem Demeter-Betrieb in Salem. Gestützt wird das Institut von einem Verein, dem auch Hof Höllwangen angehört. "Nur Mitglieder dürfen die neu gezüchteten Sorten pflanzen", wissen die Höllwanger. Aus dieser Initiative ging auch das "Regionalsortenprojekt" hervor: Der Zusammenschluss von Institut, Bauern, Bäckern und Handel macht aus extra für die Region entwickeltem Backgetreide Bio-Brote und vermarktet sie regional.

Es kommt auf starke Pflanzen an

Auf 30 bis 35 Hektar bauen die Landwirte Getreide an: nicht nur die Neuzüchtungen zum Forschen und für das Regionalsorten-Projekt, sondern auch Futtergetreide für die Kühe und Speisegetreide wie Dinkel, Weizen und Hafer. Die Flächen sind Teil der insgesamt 70 Hektar Acker, die am Hof bestellt werden. Dabei bindet die Mannschaft das Getreide in die Fruchtfolgen ein. Das heißt, wo in einem Jahr Dinkel wuchs, gedeihen im nächsten Jahr Kartoffeln oder andere Kulturen.

Durch diese Wechsel wird der Boden nicht einseitig ausgelaugt; auch Schädlinge sowie Krankheiten können sich schlechter verbreiten. Auf chemisch-synthetische Pflanzenbehandlungs- und Düngemittel verzichtet der Demeter-Betrieb ganz. Schutz vor Befall erreichen die Höllwanger auch, indem sie die Pflanzen mit ihren selbst hergestellten biologisch-dynamischen Präparaten stärken.

Zudem kommt Lebendigkeit aus dem Boden, der auf natürliche Weise, zum Beispiel mit Mist gedüngt wird. Der Mist stammt von den 55 Milchkühen, dem Stier und ihrem Nachwuchs sowie von der kleinen Herde Schweine. Daneben führen Leguminosen dem Erdreich auf natürliche Weise Stickstoff zu. Das sind Kreuzblütler wie die Luzerne, in deren Wurzelknöllchen Bakterien leben, die Stickstoff oxidieren. Auch Kompost spielt eine Rolle, denn die Abfälle aus dem Gemüseanbau ergeben fruchtbaren Humus. Alles in allem zählt: "Beobachten, gute Bodenbearbeitung und sich möglichst wenige Fehler leisten."

Mit Blühstreifen und Sonnenhaus

Nicht zuletzt setzen die Höllwanger auf Vielfalt. Hecken und Blühstreifen locken verschiedenste Insekten und Vögel an, unter denen zahlreiche Nützlinge sind – natürliche Feinde bestimmter Schädlinge. Außerdem geben die vielen Blüten ein schönes Bild. Zusätzlich pflegt die Mannschaft den Saum des angrenzenden Waldes und eine ehemalige Kiesgrube; beides artenreiche Lebensräume.

Als besondere Biotope gelten auch die ausgedehnten Streuobstwiesen am Hof. Hier wachsen die Obstbäume hochstämmig, so dass in ihrem Schatten die Rinder weiden können. 560 Stück sind es derzeit: Äpfel, Birnen und Kirschen. Inklusive dieser Wiesen gehören 48 Hektar Grünland zum Betrieb. Die Flächen, wo die Rinder nicht weiden, dienen zur Heugewinnung, so dass die Mannschaft ihre Tiere komplett mit selbst erzeugtem Futter versorgen kann.

Ähnlich verhält es sich mit dem Energiebedarf der Höllwanger: Viel erzeugen sie selbst. Auf zwei Dächern produzieren Fotovoltaikanlagen Strom und das neu gebaute "Sonnenhaus" kommt – dank Sonnenkollektor und Energiespeicher – ganz ohne weitere Wärmezufuhr aus. Ein Scheitholzkessel springt ein, wenn die Wintertage doch einmal zu kalt und düster sind. Er versorgt aber auch den Rest des Hofes mit Wärme.

Kartoffeln blühen – oder: Wie funktioniert das?

"Wir brauchen keine fossilen Energien", sagen die Höllwanger und weisen auch darauf hin, dass der Hof Öko-Strom bezieht. Dann beschreiben sie noch die Kühlung des Gemüses: Sie erfolgt über ein System, das durch die Außenluft gesteuert wird: "Es saugt die frische Luft der Nacht an, was an normalen Sommertagen voll und ganz ausreicht".

Wer sich das alles einmal ansehen möchte, dem bieten die Höllwanger Hofführungen an. Außerdem sind sie Mitglied im Arbeitskreis "Lernort Bauernhof" und führen viele Projekte für Schulklassen rund um Hof und Landwirtschaft durch. Zum Beispiel für die Kaspar Hauser Schule in Überlingen: Die Kinder der 3. Klasse arbeiten vormittags mit. Da lernen sie, wann und wie Kartoffeln blühen, wie die Knollen in den Boden kommen, was bei der Ernte passiert und vieles mehr.

Darüber hinaus engagieren sich die Höllwanger in der Freien Landbauschule Bodensee (Schule für biologisch-dynamische Landwirtschaft) und im Bündnis für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise Bodensee, einem Zusammenschluss mehrerer Demeter-Höfe der Region.

Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch der Demeter-Hof Höllwangen mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Demeter-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer DE-BW-022-6714-BD geführt wird.

Weitere Informationen:

Website des Demeter-Verbandes

Bio-Gemüse und Bio-Milch "mit Gesicht"

Die Mannschaft des Hofs Höllwangen produziert Feldgemüse wie Zwiebeln, Möhren, Kürbisse und Kartoffeln. Zum Betrieb gehören außerdem eine Milchkuhherde und einige Schweine.

Möhren und Kartoffeln vermarktet der Hof an die Feneberg Lebensmittel GmbH. Das Unternehmen aus Kempten im Allgäu bietet die Bio-Erzeugnisse "mit Gesicht" in den Feneberg-Filialen unter der regionalen Bio-Marke VonHier an.

Die Milch liefern die Höllwanger an das Bergpracht Milchwerk in Tettnang. Hier entstehen aus der Bio-Milch verschiedene Käsespezialitäten "mit Gesicht", die in den Feneberg-Filialen ebenfalls als VonHier-Produkte zu finden sind.

Weitere Abnehmer für das Gemüse sind der regionale Öko-Großhandel und verschiedene Wochenmarktbeschicker. Äpfel, Birnen und Kirschen von den Streuobstwiesen liefern die Höllwanger als Mostobst an Bio-Saftkeltereien in der Region.

Neben Futtergetreide für die hofeigenen Tiere und Zuchtpflanzungen für das Keyserlinck-Institut in Salem bauen die Höllwanger auch Backgetreide für das "Regionalsortenprojekt" an. Dieser Zusammenschluss von Höfen, Bauern, Bäckern und Handel macht aus extra für die Region entwickeltem Backgetreide Bio-Brote und vermarktet sie regional.

Im Hofladen bieten die Höllwanger ihre eigenen Erzeugnisse sowie frische Milch und Milchprodukte an.

Angebote zum Lernen und Erholen

Der Hof lädt Kindergruppen und Schulklassen auf Erkundungstouren und zu Lernprogrammen ein und verspricht den erwachsenen Gästen eine angenehme Zeit in drei ökologisch eingerichteten Ferienwohnungen. Diese haben familienfreundliche Größen für vier bis sechs Personen und verfügen über je ein Wohnzimmer, zwei Schlafzimmer, ein Badezimmer, Küche und Balkon. Draußen gibt es einen Sitz- und Grillplatz und natürlich den Betrieb mit all seinen Tieren sowie die Umgebung zum Erleben.

Hofladen

Öffnungszeiten

Dienstag von 9.00 bis 12.00 Uhr
Freitag von 15.00 bis 18.00 Uhr

Sortiment

aus eigener Erzeugung:

  • frisches Saisongemüse
  • Obst
  • Kartoffeln
  • Getreide
  • Rind- und Schweinefleisch
  • Wurstwaren

außerdem:

  • frische Trinkmilch
  • eine regionale Käseauswahl
  • Joghurt
  • Quark

Bio vor Ort