Betriebs-Porträt

Bioland-Hof Hagg

Bioland-Hof Hagg
Elfi und Benedikt Hagg
Eschachried 158a
87474 Buchenberg

08378 7240

Sehen wo's herkommt

 

Buchenberger Bio-Milch für kleine und große Genießer

Jeden Freitag kommen die Grundschüler der Oberallgäuer Gemeinde Buchenberg in den Genuss frischer Heumilch. An der Ausgabetheke steht Elfi Hagg, eine ausgewiesene Milch-Expertin. Denn mit ihrem Mann Benedikt bewirtschaftet sie etwas außerhalb des Dorfes den Bauernhof seiner Eltern. Seit Februar 2012 ist der Hagg-Hof Mitglied im Verband "Bioland". Die Bio-Milch wird in der Genossenschaftsmolkerei im nahen Kimratshofen weiterverarbeitet, deren Bio-Produkte als Allgäuer Käse- und Butter-Spezialitäten im Lebensmittelhandel vermarktet werden.

Außer der freitäglichen Milchausgabe bereiten Elfi Hagg und andere Mütter jeden Mittwoch "Frühstück für Kinder" zu: Müsli und belegte Seelen, ein regionales, salziges Stangengebäck. "Es ist einfach schön, wie die Kinder sich freuen", beschreibt die Vorsitzende der Buchenberger Landfrauen ihre Motivation für das ehrenamtliche Engagement. Das übt sie seit 2002 bis heute aus, obwohl Tochter Bianca, 1999 geboren, und Sohn Daniel, Jahrgang 1995, längst der Grundschule entwachsen sind. Daniel schließt 2014 seine Landwirtschaftslehre ab, die er auf zwei auswärtigen Betrieben je ein Jahr lang durchlaufen hat. Die Eltern hoffen natürlich, dass er den eigenen Milchviehbetrieb einmal übernehmen wird.

Mit Fleiß und Freude den Hof erhalten und vergrößert

Sein Vater Benedikt war 25 Jahre alt, als er 1990 den Hof von seiner Mutter übernahm – nach einer langen Zeit des "Durchwurstelns", wie er sich erinnert, denn der Vater war bereits 1973 gestorben. Damals war Benedikt erst acht, seine Schwester 14 Jahre alt. Wer heute das elterliche Bauernhaus betrachtet, der ahnt vom einst schmalen Auskommen der Familie. Aus den Verhältnissen haben sich Benedikt und Elfi seit der Heirat 1993 mit Fleiß und Freude heraus gearbeitet. In diesem Jahr wurde auch das neue Wohnhaus bezogen.

Ein Anfang war, als der junge Buchenberger 1992 neun Hektar Fläche von einem Hof dazu pachten konnte, der in der Nachbarschaft aufhörte: "Das bedeutete einen größeren Umbruch für uns". Denn auf der größeren Fläche wurde mehr Futter geerntet, für dessen Lagerung im alten Hof aber der Platz fehlte. Deshalb baute Hagg ein Fahrsilo und füttert bis heute Silage, wie das durch Milchsäuregärung konservierte Grünfutter genannt wird.

Aus Überzeugung steht eine Herde mit Hörnern im Laufstall

Das Haus der Eltern dient heute nur noch als Werkstatt und als Lager für das Viehfutter. Die Kühe stehen im modernen Laufstall nebenan, der im Jahr 2003 fertig gestellt wurde. "Zum Stallbau haben wir uns damals kurzfristig entschlossen", erinnert sich das Ehepaar. Vor allem, damit die Kuhherde nach wie vor Hörner tragen kann, was in vielen Bio-Laufställen heute nicht mehr der Fall ist.

"Es ist mit den Hörnern von Anfang an gut gelaufen, weil wir den Stall geräumig gebaut und die Tiere viel Platz haben. Bei uns funktioniert es, wir sind zufrieden", erklärt Benedikt Hagg. Natürlich müsse er aufpassen und hinter den Tieren her sein. Wenn beispielsweise Hörner sehr spitz wachsen, feilt er sie rund. Aber Rangordnungskämpfe gebe es auch in hornlosen Herden. "Außerdem haben wir gehört und sind inzwischen auch davon überzeugt, dass 'Hörnermilch' verträglicher ist". Für Elfi, die auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, wo der Vater die Kühe schon seit den 1970er-Jahren hornlos hielt, waren die Hörner anfangs "eine Umgewöhnung – doch heute bin ich froh, dass unsere Kühe so gut aussehen", sagt sie. Dabei strahlen ihre Augen.

Acht Jahre nachdenken – und dann geht alles sehr schnell

Lange haben die beiden abgewogen und überlegt, bevor sie im Jahr 2011 auf ökologische Milchwirtschaft umstellten. "Bio" wäre seit dem Neubau des Laufstalles möglich gewesen. Zudem waren die 34 Hektar Nutzfläche schon seit über zwei Jahrzehnten im Rahmen des "Kulturlandschaftspflege-Programms" frei von synthetischen Düngemitteln und chemischen Substanzen zur Unkrautbekämpfung. Etwa, gegen Grottenstengel zu spritzen: Hinter dem Allgäuer Begriff verbirgt sich der Krause Ampfer, ein Unkraut mit bis zu drei Meter langen Wurzeln, das sich ohne Gegenmaßnahmen stark vermehrt. "Die Grottenstengel haben wir schon länger von Hand ausgestochen. Wir wussten also, was an Arbeit auf uns zukommt, wenn wir uns mit 'Bio' endgültig verpflichten, nicht mehr zu spritzen. Bis ich gedanklich reif war für Bio, hat es deshalb etwas länger gedauert", räumt Benedikt Hagg ein.

Elfi Hagg erzählt, sie sei "zugänglicher für Bio gewesen", auch, weil sie ihre Kinder seit der Geburt des Sohnes vor fast 20 Jahren immer homöopathisch behandelt hat. Später besuchte sie zahlreiche Kurse über Homöopathie für Kühe. Das dabei erworbene Wissen nahm sie mit in den Stall: "Mit Bio spielt das erst recht eine Rolle, und ich finde das gut", betont die Bäuerin. Letzter "Anschub", die ökologische Umstellung anzugehen, sei ein Informationsabend der Genossenschaftsmolkerei gewesen, zu dem sie ihren Benedikt mit sanftem Zwang schicken musste, wie der unumwunden zugibt: "Ich musste hingehen und mir alles anhören. Das Milchwerk hat Bio-Lieferanten gesucht und es war die heiße Phase des Milchpreisverfalls. Danach haben wir uns von zwei Verbänden beraten lassen, der bauliche Aufwand für die Umstellung war gleich Null, nur bei den kleinen Kälbern gab es kleine Änderungen – und nach einem halben Jahr waren wir Bioland-Mitglied."

Futter vom eigenen Grünland, Stroh mit Naturliebe und Farbenfreude

Die zwischen 29 und 31 Milchkühe zählende Herde wird ausgetrieben, sobald es das Wetter erlaubt. Auch das Jungvieh bleibt im Sommer "komplett daheim". Während viele Bauern im Allgäu ihre Jungrinder im Sommer auf Alpen bringen, haben die Haggs für ihre "Schumpen", wie die Jungrinder im Allgäu genannt werden, eine Weide gepachtet. Zwei kleine Gruppen mit jüngeren Kälbern grasen direkt am Hof. Dort stehen auch drei bis vier Parzellen Weidefläche für die Milchkühe zur Verfügung, insgesamt etwa zehn Hektar.

Weiter entfernt liegende Wiesen mähen die Haggs und können so das gesamte Viehfutter selbst erzeugen. Wie auch einen Teil der Einstreu, mit der im Laufstall der Bereich für die Jungkälber "gepolstert" wird, zusammen mit zugekauftem Stroh. Um diesen Zukauf von Bio-Stroh zu reduzieren, das inzwischen immer teurer wird und schwieriger zu bekommen ist, aber auch aus "Naturliebe, aus Freude an den Farben und an allem, was da wächst", haben die Haggs 4000 Quadratmeter Streuwiesen gepachtet. Das sind Feuchtwiesen, die aus Gründen des Landschafts- und Artenschutzes nur einmal im Herbst gemäht werden dürfen. Pflanzen, die dort wachsen, können Feuchtigkeit sehr gut aufnehmen und eignen sich daher ideal als Einstreu.

Ein Festtag im Herbst für die Tochter und den Hund

Der Feuchtwiesen-Schnitt erfolgt zu Fuß mit einem Motormäher, das Gras muss von Hand auf eine Nachbarwiese getragen werden, wo es trocknen kann. Ist die Witterung zu feucht, wird es in einer Futtertrocknungsanlage getrocknet und zu gehäckselten Ballen gepresst. "Der Streuwiesentag ist unser Familientag, alle müssen mithelfen, und für unsere Tochter und den Hund ist es ein Festtag, weil sie miteinander herumtollen können", schwärmt Elfi.

Mit der Landschaftspflege verdient sich Benedikt Hagg gar ein Zubrot: Er mäht auf Buchenberger Gemeindegrund und ist einer von neun Bauern, die über den Maschinenring landwirtschaftliche Dienstleistungen anbieten, von einzelnen Baumfällarbeiten über größere Abholzungen bis hin zur Pflege von Dachgärten auf einem großen Klinikkomplex. Wäre die Mutter damals nicht allein am Hof gewesen, hätte Benedikt Hagg seiner Landwirtschaftsausbildung eine waldwirtschaftliche Fortbildung anschließen können: "Ich hatte ein Stipendium in der Tasche, das halt der Nächste gekriegt hat…"

Vom Leben, Lernen, der Liebe und vom Traktorfahren

Elfi Hagg brachte es mit ihrer Ausbildung als Fleischerei-Fachverkäuferin bis zur Abteilungsleiterin in einem Supermarkt. Mit der Hochzeit 1993 gab sie die Stelle auf. "Dabei wollte ich nie einen Landwirt heiraten, ich habe immer gedacht, das tue ich mir nicht an", sagt sie und lacht laut. Das Leben hatte anderes mit ihr vor: "In vielen Kursen und über Winter-Seminare im Landwirtschaftsamt" erwarb sie die Qualifikation zur Agrarbürofachfrau.

Aber noch etwas musste Elfi Hagg lernen. Und das, obwohl sie ebenfalls auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, in Legau im Unterallgäu. Dort sind die Wiesen und Felder topfeben im Vergleich zur Hügellandschaft rund um Buchenberg: "Im Traktorfahren habe ich mich hier oben doch sehr umgewöhnen müssen."

Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Bioland-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Bioland-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer DE-BY-006-45605-AD geführt wird.

Weitere Informationen:

Website des Bioland-Verbandes

Bio-Milch "mit Gesicht"

Die Bio-Milch vom Hagg-Hof wird in der Molkerei der Genossenschaft Allgäu Milch Käse eG in Kimratshofen zu Milchprodukten weiterverarbeitet, die die Kemptener Feneberg Lebensmittel GmbH unter der regionalen Bio-Marke "VonHier" vermarktet.

Bio vor Ort