Betriebs-Porträt

Hofgemeinschaft Heggelbach

Hofmitglieder am Tisch im Garten
Viele Gesichter, ein Ziel: Die Menschen auf Hofgut Heggelbach haben sich zusammengetan, um Landwirtschaft nach Demeter-Richtlinien zu betreiben.

Hofgemeinschaft Heggelbach
Jona Kreis, Florian Reyer und Thomas Schmid
88634 Herdwangen Schönach

07557 8668
07557 8850

info(at)hofgemeinschaft-heggelbach.de
www.hofgemeinschaft-heggelbach.de

Sehen wo's herkommt

 
 

Fünf Familien und ein Hof

Nicht viele Wege führen nach Heggelbach, rund 15 Kilometer nördlich des Bodensees. Genau genommen sind es drei, die sich eine ganze Zeit lang durch die hügelige Landschaft aus Wiesen, Feldern und Waldstücken winden, ehe sie sich im Ortskern treffen. Rund 50 Leute wohnen in dem kleinen Weiler, der zu Herdwangen gehört; die Hälfte davon lebt in der Hofgemeinschaft Heggelbach, einem Zusammenschluss von Familien, die gemeinsam Landwirtschaft betreiben.

Was sie da auf die Beine gestellt haben, funktioniert so gut, dass aus ursprünglich drei Familien von 1986 inzwischen fünf geworden sind und aus 50 Hektar bewirtschafteter Fläche 150. Aber so verschieden und vielgestaltig der Hof sich zeigt – da sind Schweine, Kühe, Wiesen, Äcker, eine Sennerei und Ferienwohnungen. Es gibt doch ein Ziel, das die Bewohner verfolgen: ökologischer Landbau nach Demeter-Richtlinien. Und gerade die Vielfalt zählt dazu. Die unterschiedlichen Betriebszweige sind so aufeinander abgestimmt, dass geschlossene Kreisläufe entstehen und der Hof somit weitgehend unabhängig existiert.

Der Einkauf von chemisch-synthetischen Pflanzenbehandlungs- und Düngemitteln oder größeren Futtermengen steht außer Frage. Die Nahrung für ihre Tiere erzeugt die Mannschaft selbst; für die rund 50 Kühe gibt es zum Beispiel Gras und Heu von den Hofflächen. Die Milch geht in die Sennerei, wo daraus Käse entsteht, und die dabei anfallende Molke bildet das Grundnahrungsmittel für die Schweine. Was die Tiere an Mist erzeugen, landet als natürlicher Dünger auf den Äckern und Feldern.

Gemüseexperten mit Sinn für Kreise

Die Äcker sind das Reich von Jona Kreis und Florian Reyer. Die zwei jungen Landwirte treten in die Fußstapfen von Thomas Schmid, einem der drei Gründer der Hofgemeinschaft. Da der Senior sich langsam aus diesem Teil der Arbeit zurückzieht, bleibt ihm wiederum mehr Zeit für das Marketing und die Energiefragen am Hof – zugleich natürlich, um seinen Nachfolgern den Einstieg zu erleichtern. Auf 20 Hektar Land bauen die beiden Bundzwiebeln an und Sellerie, Schalotten, Zuckermais, Frühkartoffeln, Pastinaken, Kohl und Salate.

Vieles kommt frisch in den Handel, der Rest geht zunächst ins Lagerhaus. Für Mais, Kartoffeln und Rote Bete haben die Gärtner noch einen weiteren Absatzweg entdeckt: Geschält, gekocht und vakuumverpackt landen diese Gemüse in den Verkaufsregalen und in Großküchen. Was beim Ernten und Putzen übrig bleibt, bekommen die Schweine zum Wühlen, Fressen und Genießen, so dass wieder ein Kreis geschlossen wird.

Die Ackerflächen sind so aufgeteilt, dass Jona und Florian mit wechselnden Kulturen arbeiten können. Eine solche Fruchtfolge beginnt mit Gemüse oder Getreide, nach der Ernte kommt eine andere Kultur. So werden dem Boden nicht immer die selben Nährstoffe entzogen, was seinem Auslaugen entgegenwirkt. Für die Pflanzen heißt der Wechsel, dass Schädlinge sich nicht so leicht ausbreiten. Nach drei, vier Durchgängen bringen die Landwirte Kleegras und Leguminosen auf die Flächen; das sind Gewächse, die den Boden lockern und ihm auf natürliche Weise wieder Stickstoff zuführen. So kommt das Erdreich zu neuen Kräften und der Kreislauf kann von vorn beginnen.

Eine Frage des guten Gespürs

Das Kleegras und die Leguminosen bekommen die Kühe und das Jungvieh, auch das Getreide dient den Rindern und ebenso den rund 120 Schweinen als Futter. Das schließt weitere Kreisläufe. Um alles, was mit Stall und Tier zu tun hat, kümmert sich Thomas Krug. Er lebt mit seiner Frau Kerstin und den Kindern am Hof. Kerstin ist nicht nur seine rechte Hand, sondern auch Familienmanagerin, sie kümmert sich um die Feriengäste und hilft der Acker-Mannschaft beim Zubereiten der Demeter-Präparate.

Diese Präparate sind ein weiterer wichtiger Baustein, damit der Boden gesund bleibt. Die Zubereitungen aus Kräutern und anderen Substanzen stärken das Erdreich und die Pflanzen. Jona und Florian sind sich einig: "Bei unserer Arbeit braucht's nicht nur Wissen und Erfahrung, sondern auch viel Gespür." Das heißt, Zusammenhänge erkennen und verstehen: Wie wirken die Präparate? Was gedeiht wo am besten? Welche Einflüsse verändern Boden und Pflanzen?

Überhaupt gilt es im Demeter-Landbau, das Ganze zu sehen: "Auch das soziale Umfeld muss stimmen", meint Florian. Gerade das Zusammenleben und -arbeiten in einer Hofgemeinschaft bedeutet auch eine Herausforderung, es braucht Aufgeschlossenheit und Feingefühl. "Jeder soll den Spielraum haben, sich verwirklichen zu können", unterstreicht Jona. "Wir wollen den Hof so entwickeln, dass es allen gut geht." Und da ist jeder in der Verantwortung: Von den fünf Familien am Hof ist je ein Mitglied Gesellschafter in der Hofgemeinschaft Heggelbach GbR.

Hier wird viel selbst gemacht

Damit das Gefüge noch besser funktioniert, frühstücken jeden Dienstag – soweit möglich – alle gemeinsam und montags kommt jeder zu planerischen Treffen. Da werden Zahlen besprochen, Bewerbungen diskutiert und Ideen vorgetragen. Natürlich kommen zu diesen Treffen auch die Praktikanten, Lehrlinge und Gesellen, von denen immer zwischen fünf und zehn am Hof Anstellung finden. Alles in allem arbeiten immer um die 20 Menschen fest in der Hofgemeinschaft, im Sommer kommen Saisonarbeiter zur Hilfe.

Neben den Ackerflächen gilt es, 75 Hektar Grünland zu pflegen: Dort weiden die Rinder im Sommer und wächst ihr Futter für den Winter. Ebenso kümmert sich die Mannschaft um rund drei Kilometer Hecken, die einen einzigartigen Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen darstellen – noch etwas, um für Vielfalt zu sorgen. Dasselbe Ziel fördern die Streuobstwiesen, die selbst gesäten Blühstreifen und die zahllosen Nist- und Vogelkästen. Nicht zuletzt leben Gänse, Hühner und Schafe am Hof.

"Wir bauen auch viel selbst", berichtet Florian und zeigt als Beispiele die Halle für die Gemüseaufbereitung und das Hackschnitzellager. Besonders stolz sind alle auf den Holzvergaser, der im Verbund mit einem Blockheizkraftwerk arbeitet: "die erste Serienanlage dieser Art". Und nur entstanden, weil die Heggelbacher sich kräftig dahinter geklemmt haben. Das Holz dafür kommt von den sechs Hektar Wald, die zum Anwesen gehören, ebenso aus den vielen Hecken. Die Wärme nutzen die Familien zum Heizen, die anfallende Energie speisen sie ins Netz ein. Eine Fotovoltaikanlage produziert weiteren Strom. "Wir erzeugen mehr Energie, als wir verbrauchen."

Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Demeter-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Demeter-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer DE-BW-022-2782-ABD geführt wird.

Weitere Informationen:

Website des Demeter-Verbandes

Jede Familie hat ihre Geschichte

Der Strom, der aus der Steckdose kommt, ist Öko-Strom. Etwas anderes käme für die Demeter-Familien nicht in Frage. Warum sie sich dem Öko-Landbau und einer so konsequent nachhaltigen Lebensweise verschrieben haben? Die Gründe dafür sind wohl für jeden verschieden. Florians Vater zum Beispiel, einer der Gründungsmitglieder der Hofgemeinschaft, hatte schon einen Demeter-Betrieb, bevor er nach Heggelbach kam. Und vor ihm auch sein Vater. Wen wundert's, wenn Florian – und seine junge Familie – sich also auch dafür begeistern?

Ähnlich bei Jona: Seine ersten landwirtschaftlichen Erfahrungen machte er in der Gärtnerei des Pestalozzi-Kinderdorfes in Wahlwies, einem nahe gelegenen Demeter-Betrieb. Auf den Zivildienst beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) folgte die Ausbildung in Heggelbach, von wo Jona nochmals in die Welt aufbrach um Erfahrungen zu sammeln, bevor er hier – gemeinsam mit seiner Freundin Jessica – Arbeit und ein Zuhause fand.

So hat jeder am Hof seine Geschichte und seine Beweggründe. Selbst das Anwesen blickt auf eine spannende Vergangenheit, wie Jona berichtet: "Heggelbach ist in der Chronik des Klosters Petershausen bereits für das Jahr 975 als 'Hakelinbach' genannt. Der Ort hatte ein eigenes Niederadelsgeschlecht, das 1169 erstmals erwähnt wird und bis ins 13., vielleicht sogar 17. Jahrhundert bestanden hat. Aus seiner Burgkapelle ist vermutlich die heutige Kapelle St. Georg hervorgegangen." So sind Hof- und Dorfleben seit Langem eng miteinander verwoben.

Auch heute engagieren sich die Heggelbacher stark am Ort und richten zum Beispiel mit den anderen Anwohnern jährlich ein großes Fest zu Pfingsten aus. Jona ergänzt: "Wir bringen uns auch alle ehrenamtlich in Vereinen ein und pflegen engen Kontakt und Kooperationen mit anderen Betrieben und Demeter-Höfen in der Nachbarschaft und in der Region."

Bio-Gemüsevielfalt "mit Gesicht" für das VonHier-Sortiment

Die Hofgemeinschaft Heggelbach ist ein vielseitig ausgerichteter Betrieb mit Tierhaltung und Gemüseanbau.

Ein ständig wachsender Betriebszweig ist der Anbau von Gemüse. Die Kulturen lassen sich unterteilen in Frischmarkt-Gemüse, das während der Saison verkauft wird, und in Lagergemüse, das vom Winter bis ins späte Frühjahr erhältlich ist. Zu den Frischmarkt-Waren gehören Bundzwiebeln, Zuckermais, Rote Bete, Sellerie mit Grün, Staudensellerie und Frühkartoffeln, zu den Lagergemüsearten Sellerie, Rote Bete, Pastinaken, Wurzelpetersilie und Kartoffeln. Ein weiteres Angebot sind gekochte Zuckermaiskolben und Rote Bete in der Vakuumverpackung.

Einen großen Teil des Gemüses vermarktet die Hofgemeinschaft Heggelbach über die Feneberg Lebensmittel GmbH. Das Unternehmen aus Kempten im Allgäu bietet die Bio-Erzeugnisse "mit Gesicht" in den Feneberg-Filialen unter der regionalen Bio-Marke VonHier an.

Weitere Abnehmer für das Gemüse sind der regionale Naturkostgroßhandel, Betriebe mit Abokistenservice sowie Kurkliniken und andere vermarktende Unternehmen in der Umgebung.

Die Milch wird direkt in der hofeigenen Käserei verarbeitet. Bergkäse, Tilsiter, Schibli und Camembert werden direkt ab Hof oder über Wiederverkäufer und den Großhandel vermarktet. Das Schweinefleisch geht an eine regionale Vermarktungsgesellschaft.

Die Hofgemeinschaft ist Mitglied bei "Gutes vom See", einem Zusammenschluss, der die Region rund um den Bodensee und ihre Produkte fördern will. Betriebe und Privatpersonen haben damit ein Netzwerk geschaffen, regionale Erzeugnisse in der Region zu stärken und zu verkaufen. In diese Strukturen liefern auch die Heggelbacher und bringen sich mit Ideen ein.

Ferien auf dem Bio-Hof

Mitten auf dem Hof, im Dach des alten Bauernhauses und des daran anschließenden neuen Hauses gibt es kinderfreundliche Ferienwohnungen, umweltfreundlich aus Holz gebaut und eingerichtet. Sie haben jeweils zwei Schlafzimmer, ein Bad und einen Wohnraum mit Küchen- und Essecke sowie einen besonderen Ausblick: direkt auf die Vulkanberge des Hegaues oder die Alpen. Gleich unter dem Fenster gibt es eine Spielwiese mit Sitz- und Grillmöglichkeit, Schaukel und Sandkasten. Und: Der Hof mit seinen vielen Tieren lädt jederzeit zum Schauen und Mitmachen ein.

Bio vor Ort