Betriebs-Porträt

Naturland Hof Mangold

Naturland Hof Mangold
Michael Mangold
Dorfstraße 30
82442 Saulgrub

08845 9538

Sehen wo's herkommt

Altes Bauernhaus voller Leben

Saulgrub ist ein Dorf im oberbayerischen Ammertal. Wer dort die verkehrsreiche Bundesstraße 23 verlässt, der kann  Beschaulichkeit entdecken: verwinkelte Straßen und Gässchen, bergauf, bergab, hier ein Gästehaus, dort eine Pension, Ferienwohnungen und „Zimmer frei“, dazwischen gepflegte alte Bauernhäuser mit viel Blumenschmuck. Wie beim Naturland-Hof von Mariele und Michael Mangold, der etwas versteckt im historischen Ortskern von Saulgrub an der Dorfstraße zu finden ist.

Gemütlichkeit und Ordnungsliebe sind auf dem gepflegten Anwesen „Beim Schaller“, wie der alte Hausname lautet, augenscheinlich zuhause. Wobei die Mangolds nicht wissen, wie lange hier überhaupt schon Landwirtschaft betrieben wird: „Da müssten wir mal nachforschen – wenn wir Lust und Zeit haben.“ Die dicken Mauern des Wohnhauses künden jedenfalls von sehr alter Bausubstanz, die gleichwohl mehrfach verändert wurde: „Hier macht’s jeder für seine Generation so, wie es passt.“ 1990 hat das Paar den  elterlichen Hof übernommen und mit etwas Glück wird Michael, der jüngste der drei Kinder,  den Hof übernehmen.

Kein leichter Start in Bio

Die hölzerne Zierbund-Fassade an der Südfront des Wirtschaftsgebäudes steht unter Denkmalschutz. Dahinter verbirgt sich seit 2002 ein moderner Freilaufstall für 20 Milchkühe und durchschnittlich 15 bis 20 Kälber und Jungrinder, die die Mangolds als Nachzucht halten. Am modernen „Tandem-Melkstand“ können drei Kühe gleichzeitig hintereinander gemolken werden. Ihre Bio-Milch wird über die Molkerei-Genossenschaft „Erstes Bayerisches Butterwerk“ in Schongau gesammelt, deren Vorstand Michael Mangold seit 2005 ist.

Auf ökologische Landwirtschaft hat die Familie schon 2002 umgestellt. Doch fand sich zunächst kein Abnehmer für die Bio-Milch: „Zu der Zeit waren wir hier in der Gegend die Einzigen, es wollte keiner in unsere Richtung fahren“, erinnert sich Michael Mangold. Da half auch nicht, dass er schon seit 1991 im Aufsichtsrat der Molkereigenossenschaft saß. Erst 2011 fand sich mit der Feneberg Lebensmittel GmbH ein Abnehmer, der seither die Bio-Milch unter dem Label „Von Hier“ verkauft. Seit jenem Jahr ist der Hof beim Verband Naturland zertifiziert.

Mit Zuversicht in die Zukunft

„Weil bei uns schon immer extensiv und so natürlich wie möglich gewirtschaftet wurde“, hat die Umstellung auf „Bio“ keine großen Schwierigkeiten bereitet, erzählt das Ehepaar. Der Entschluss fiel im Zuge des Stallneubaus in der Überzeugung, „dass irgendwann schon einer kommt und unsere Bio-Milch nimmt.“ Die Zuversicht, den richtigen Weg für die Zukunft einzuschlagen,  kam auch  daher, dass die Familie seit jeher auf chemisch-synthetische-Spritz- und Düngemittel verzichtete. So waren für die Landflächen, darunter 32 Hektar Grünland, bei der Umstellung keine besonderen Maßnahmen nötig.

Im Winter füttert Michael Mangold Silage und bei Bedarf  eine geringe Menge Kraftfutter, zugekauft aus ökologischer Erzeugung. Im Sommer ernähren sich Milchviehherde und Jungrinder vom Grasschnitt und von den jungen, besonders vitaminreichen und nährstoffhaltigen Kräutern und Gräsern, die auf den so genannten Kurzrasenweiden stets frisch nachwachsen. „Mit dieser Art der Beweidung hat unsere Herde viel  Auslauf und ich bin überzeugt, dass sich das auch positiv auf die Milchmenge auswirkt“, sagt Michael Mangold. Seine Frau ergänzt: „Ich denke, denen geht’s einfach besser, wenn sie immer draußen stehen. Wir können beobachten, dass sie nur bei großer Hitze lieber im Stall sind.“

„Ohne Horn ist’s keine Kuh“

1983 hat Michael Mangold in Dachau die Prüfung als Landwirtschaftsmeister abgelegt. Zuvor ging der Saulgruber bei den Eltern in die „Heimlehre“ und belegte „Kurse überall“. –  Wo? Über diese Frage muss der Oberbayer lachen: „Danach hat mich noch nie einer gefragt – heute wüsste ich das gar nicht alles mehr…“ Mariele Mangold, ist gelernte Steuersekretärin. Nach ihrer  Heirat hängte sie eine Ausbildung in ländlicher Hauswirtschaft dran, heute ist sie am Hof „Hausfrau und Mutter“. Dazu zählt auch ihre Arbeit im Stall, zum Beispiel, wenn die Tiere einmal kränkeln: „Als erstes probieren wir’s immer homöopathisch!“ So seien die Tierarztkosten „ganz gering – so viel wie nichts, und auch bei der Fruchtbarkeit haben wir keinerlei Probleme“.

Besondere Vorkommnisse habe es bislang auch nicht gegeben, obwohl die Kühe im Saulgruber Freilaufstall – „nahezu alle Rinderrassen“ – Hörner tragen. Wenn er erklärt warum, schlägt Michael Mangolds Gelassenheit durch: „Gewisse Rangkämpfe gibt es auch bei Hornlosen. Kühe mit Hörnern haben mehr Macht. Aber für mich ist es so, wie wir’s haben, einfacher: Ich muss sie nicht enthornen.“ Ehefrau Mariele vertritt einen ästhetischen Standpunkt: „Ohne Hörner schauen sie nicht mehr aus wie eine Kuh!“

Auch Umweltschutz gehört dazu

Eine weitere Einnahmequelle des Schaller-Hofs ist die Pflege von so genannten Streuwiesen. Das sind feuchte bis nasse Flächen in Naturschutzgebieten, die von Bewuchs mit jungen Büschen und Bäumen befreit und einmal jährlich gemäht werden müssen, um die dortige Artenvielfalt in Fauna und Flora zu erhalten. Eigene und hinzugepachtete Flächen haben die Mangolds in ein Programm der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen eingebracht: „Die Förderung ist ordentlich, der Staat will, dass das gepflegt wird, also machen wir’s.“

Angewiesen ist die Familie auf diese Einnahmequelle nicht unbedingt, zumal ein drittes Standbein des Naturland-Hofes der Fremdenverkehr ist. Die Ferienwohnung und ein Doppelzimmer unterm Dach des traditionsreichen Hauses haben schon die Eltern vermietet, seit jeher mit Frühstück, Gastfreundlichkeit liegt in Saulgrub auf der Hand angesichts von Oberammergau, Schloss Linderhof und Kloster Ettal, die ganz in der Nähe liegen. Und auch, weil Mariele Mangold sich freut, dass sie „mit den Feriengästen jemanden um sich herum hat“.

Bio vor Ort