Bio mit Gesicht



Feneberg Lebensmittel GmbH

Seit 1998 gibt es im Allgäu die regionale Bio-Marke VonHier. Unter ihrem Dach vermarktet die Feneberg Lebensmittel GmbH biologisch erzeugte Lebensmittel, die maximal 100 Kilometer von Kempten, dem Sitz des Unternehmens, erzeugt werden. In einem Interview erzählen die beiden Köpfe hinter dem Konzept, Hannes Feneberg und Ernst Wirthensohn, wie sie die Marke aufgebaut haben und was hinter ihr steckt.

Die Produktlinie VonHier gibt es seit mehr als zehn Jahren. Wo kam die Idee dazu her?

Hannes Feneberg: Das ist aus sehr bescheidenen Anfängen gewachsen. Es ging los mit dem Aufbau der Marke Jungrind. Zunächst haben wir einen zweiwöchigen Test-Markt mit Bio-Rindern gemacht; die hat man damals überall in der Region zusammengekratzt. Die Resonanz machte uns soviel Mut, dass es dann kontinuierlich weiterging. Vom Umfeld her passte die Idee einfach in die Zeit: Regionalität kam damals gerade als Thema auf.

Was waren die nächsten Schritte?

Hannes Feneberg: Wir sind auf die Landwirte zugegangen und haben versucht, sie von unserem Vorhaben zu überzeugen. Zusammen mit Adi Sprinkart bin ich über die Dörfer gezogen und hab' für das Rinderprogramm geworben. - Oh, wie das zuging! (Er lacht.) Wenn wir kamen, hatten wir knallvolle Säle und am Ende der Veranstaltung sind dann zwei Leute übrig geblieben! Sie wissen ja, wie der Allgäuer so ist - sehr langsam und sehr vorsichtig: Erst einmal schauen... Und wenn's beim Nachbarn klappt, dann macht er da vielleicht auch mit. Irgendwie haben wir dann doch eine Keimzelle von 30, 40 Landwirten auf die Füße gestellt, und mit der Zeit kamen noch zwei, drei vom selben Dorf dazu - eben die, die beim Nachbarn gesehen hatten, dass es funktioniert.

Ernst Wirthensohn: Da bin ich dann dazu gestoßen. Der Bio-Ring Allgäu, wo ich im Vorstand war, hatte schon lange den Wunsch, mit Bio-Produkten in den Handel zu kommen. Das Rinderprojekt brachte mich zu der Überlegung, ob man es nicht auch auf andere Produkte übertragen kann, also generell Bio-Produkte einbringt. Ich dachte schon damals an den Aufbau einer Marke.

Hannes Feneberg: Herr Wirthensohn war der ideale Schnittpunkt zwischen Feneberg und der Landwirtschaft. Mit seinem Beratungsbüro hat er unser Haus, die Produkte und die Landwirte zusammengeführt.

Ernst Wirthensohn: Nun, wir waren die Konsequentesten. Viele regionale Produkte in Deutschland suchen heute noch eine Dachmarke. In der Rhön und anderswo diskutieren sie immer noch, nach welchen Richtlinien sie produzieren sollen. Als ich damals mit Hannes Feneberg darüber gesprochen habe, hat er binnen zwei Sekunden gesagt: "Das ist der ökologische Landbau." Aus! Heute zeigt sich das als der einzig richtige Weg. Auch zahlt es sich inzwischen aus, dass wir von Anfang an das Vertrauen der Landwirte gesucht haben.

Was geschah nach der Geburtsstunde der Bio-Marke? Welche Hürden waren noch zu nehmen?

Ernst Wirthensohn: Oh, vor allem die hier im Haus! Obwohl der Chef die Idee gut fand, haben nicht alle sie mitgetragen. Die Leute zu überzeugen, war oft nicht einfach!

Hannes Feneberg (lacht): Allen voran mein Vater! "Was willst'n mit dem Bio-Zeug?!", hat er damals gemeint. "Das interessiert doch keinen!" Und entsprechend misstrauisch hat die Führungsmannschaft meines Vaters auf das Projekt geschaut.

Ernst Wirthensohn: Es gehört auch einiges dazu, Landwirte zu finden, die fähig sind, so zu produzieren und zu liefern, wie es der Einzelhandel braucht. Das betrifft alle Produktbereiche: Milch und Butter, Obst und Gemüse, Eier oder Fleisch.

Und heute? Worin bestehen heute die Herausforderungen?

Hannes Feneberg: Die VonHier-Produkte leben von einem Dreiklang: Das ist der faire Preis für den Landwirt, aber auch das Unternehmen muss seinen Spaß haben und am Schluss muss ein Preis herauskommen, den der Kunde noch akzeptieren kann. Es ist zurzeit oft nicht einfach, diesen Dreiklang zu erhalten. Wegen der regen Nachfrage am Bio-Markt gehen die Preise nach oben. Aber wir können den Landwirten nicht so ohne weiteres mehr zahlen, weil dann eben auch für den Endverbraucher die Preise steigen.

Ernst Wirthensohn: In manchen Bereichen gehen die Preise momentan so hoch, dass der Verbraucher fast nicht mehr bereit ist, sie zu zahlen; Getreide zum Beispiel, dadurch ist nicht nur das Brot teurer geworden, auch die Futtermittel haben angezogen. Das schlägt sich gleich nieder in den Preisen für Eier oder Fleisch und anderem mehr!

Hannes Feneberg: Wohin das geht, kann man schwer überblicken. Es wird sich zeigen: Überwindung oder Marktverengung.

Ernst Wirthensohn: Deswegen ist das Vertrauen der Landwirte so wichtig. Bei Vertrauen kann man alle Höhen und Tiefen gemeinsam überwinden. Wenn kein Vertrauen da ist, gehen die Bauern zu den besten Preisen.

Große Familienunternehmen sind in Deutschland selten. Wie sehen andere Lebensmittelhändler auf Feneberg?

Hannes Feneberg: Die schauen auf uns wie auf das kleine gallische Dorf - bei Asterix und Obelix, Sie kennen ja die Geschichte! Wir sind der Exot in der Einzelhandelslandschaft. Gerade die VonHier-Geschichte ist mit Argusaugen verfolgt worden, und oft heißt es: "Ihr habt es ja leicht, bei Euch funktioniert das: ein glückliches Konzept in einer heilen Welt." Die Arbeit dahinter wird nicht gesehen.

Interview: Friederike Lerbs, erschienen in Zeitschrift HEIMAT ALLGÄU 2/2008

Feneberg Lebensmittel GmbH
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