Betriebs-Porträt

Demeterhof Bentele

Beide Betriebsleiter präsentieren Äpfel
Peter Bentele und sein Sohn Johannes bauen auf ihrem Familienbetrieb verschiedene Apfelsorten "mit Gesicht" an.

Demeterhof Bentele
Johannes Bentele
Wellmutsweiler 2
88069 Tettnang

07528 2380
07528 1592

Sehen wo's herkommt

 
 

Rotbackige Verführung

Wer mehr über Äpfel wissen möchte, kann leicht bei Adam und Eva anfangen – dem wohl bekanntesten Mythos, der sich um die verlockende Frucht rankt. Es genügt aber auch ein Blick nach Tettnang, zu Peter und Johannes Bentele, die sich bestens mit diesen Boten der Verführung auskennen. Vater und Sohn gehören zu den überzeugten Demeter-Bauern, die in Deutschland Äpfel kultivieren. Gemeinsam bestellen sie in Wellmutsweiler, einer kleinen Ortschaft im Argental nicht weit vom Bodensee, Plantagen mit Sorten wie Topaz, Jonagold, Idared und Boskoop.

Direkt am Hof reihen sich die drallen, ab Spätsommer schwer beladenen Stämme in langen Fluchten aneinander. Ihre Zweige und Blätter wachsen so dicht in nur zwei Richtungen, dass sie Wänden gleichen. Die Bäume sind rund drei Meter hoch und strecken sich in die Breite, bleiben dabei aber so schlank, dass sich zwischen ihnen Gänge auftun. Hier fahren die Landwirte mit ihren Maschinen, um Pflanze und Boden zu pflegen. Darüber spannen sich feinmaschige Netze, die die Früchte vor Hagel und zu starker Sonneneinstrahlung schützen.

Unbelasteter Genuss

Der Hof der Benteles gehört seit 1984 dem Demeter-Verband an. Damals hat Peter Bentele sich entschlossen, biologisch-dynamisch zu wirtschaften: so dicht wie möglich an der Natur. "Es waren verschiedene Faktoren, die mich zum Umstellen bewegten", erinnert er sich. Als er nach einem Betriebsunfall für sechs Wochen im Bett bleiben musste, machte er sich erstmals intensiv Gedanken über die Möglichkeiten des alternativen Landbaus. Die Saat war gelegt und ging schnell auf: Peter besuchte Vorträge, las Fachpublikationen, besuchte Öko-Betriebe und war bald überzeugt.

Er möchte nicht nur "unbelastete Lebensmittel herstellen". Durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenbehandlungs- und Düngemittel will er auch "das Grundwasser und den Boden schonen". Mit dem Wissen, dass die Familie seit 200 Jahren diese Hofstelle bewirtschaftet, erscheint seine Entscheidung beinahe zwingend. So werden auch Peters Nachfahren gesunde Grundlagen zum Leben und Arbeiten vorfinden. 2005 ebnete er gemeinsam mit Ehefrau Monika den Weg für den Betriebsbeitritt ihres Sohnes Johannes: Sie gründeten zu dritt eine GbR. Womit sich für Johannes ein Traum erfüllte: "Ich wollte schon immer daheim mit einsteigen."

Sensible Früchtchen

Der Junior hat von seinem Gartenbau-Studium einiges an Ideen und Neuerungen mitgebracht, würde aber nie an der Öko-Ausrichtung des Betriebes rütteln. "Ich mag mir nicht vorstellen, je chemisch-synthetische Pflanzenbehandlungsmittel zu verwenden." So bewahren Vater und Sohn einerseits das Erbe, denn der Hof ist seit jeher ein Obst- und Hopfenbetrieb, öffnen aber zugleich dem Fortschritt die Türen. Schließlich gibt es den ökologischen Obstbau erst seit Mitte der 1970er-Jahre in der Bodensee-Region. Die beiden können heute zwar auf Erfahrung und vorhandenes Wissen zugreifen, doch oft müssen sie noch selbst experimentieren und eigene Wege austesten.

Das liegt daran, dass Äpfel eine Dauerkultur sind: Sie entziehen dem Boden über Jahre hinweg die gleichen Nährstoffe. Schädlinge und Krankheiten können sich leichter ausbreiten. Die große Herausforderung für den Apfelanbau besteht deshalb darin, die Pflanzen und die Erde, in der sie wachsen, so zu hegen, dass die Bäume kräftig gedeihen und konstant gute Erträge bringen. "Man muss den Boden beständig aufbauen und verbessern", weiß Peter. Die Arbeit mit Kompost gefalle ihm da besonders gut: Sie steigert die Humusversorgung und die Fruchtbarkeit der Böden, verbessert die Struktur des Erdreichs und ermöglicht, dass mehr Wasser gespeichert wird.

Konkurrenz unerwünscht

Die nötigen Dünger erzeugen die Benteles selbst. Sie kompostieren vor allem Hopfenabfälle und stellen für die Blattdüngung einen Kaltwasser-Auszug aus wilden Brennnesseln her. Neben dem Düngen spielt die Unkrautbekämpfung eine große Rolle: Zu viel Gras am Fuß der Bäume bedeutet Konkurrenz und damit Stress für die Pflanze, weiß Johannes. Das unerwünschte Grün wird nicht "einfach weggespritzt", sondern Vater und Sohn arbeiten mit Maschinen, die den Boden leicht wenden und so das Gras unterarbeiten. Dazu hat Peter ein Hackgerät bauen lassen, das mit Sensoren ausgestattet ist und die Erde abtastet, ohne den Bäumen zu schaden.

"Eine weitere, technisch hoch entwickelte Maschine verwenden wir für die Arbeit in der Höhe", erzählt Johannes. Auch sie fährt sensorgesteuert durch die Reihen, so dass der Bedienende sich ganz auf die Ernte, die Pflege der Hagelnetze oder den Baumschnitt konzentrieren kann. Sie läuft mit elektrischem Strom, den die Benteles mit ihrer Fotovoltaikanlage selbst erzeugen und von dort in die Batterien leiten, welche die Maschine antreiben. Wie am Boden gibt es auch an den Bäumen ganzjährig etwas zu tun: Äste schneiden, Blüten und Zweige auspflücken, schlechte Äpfel absammeln und die Stämme zum Schutz mit Kalk bestreichen.

Heiße Phase ab August

Überhaupt wenden die Demeter-Landwirte ausgeklügelte Methoden zum Pflanzenschutz an: Gegen Pilze setzen sie Mineralien wie Schwefel ein, die in der Natur vorkommen. Ebenso verwenden sie das aromatische Öl des Neembaumes, das Schädlinge vertreibt. Aus anderen Hölzern stellen sie wirkungsvolle Sude her, wobei ein wichtiges Nebenprodukt abfällt: Die Benteles trocknen die ausgekochten Holzspäne und führen sie ihrer Hackschnitzelheizung zu. Außerdem bekommt die Heizung Holz aus den hofeigenen eineinhalb Hektar Wald, und so entsteht genug Wärme, um das Wohnhaus und die Hopfentrocknung zu versorgen. Eine Solaranlage erzeugt unterstützend Warmwasser. "Wir produzieren so viel Energie, wie wir verbrauchen", freut sich Johannes.

Wenn alles gut läuft, beginnt ab Ende August die Ernte, die wohl arbeitsintensivste Phase im Apfeljahr. Dann arbeiten außer den regulären sechs Helfern noch acht Saisonkräfte am Hof, die beim Pflücken und Sortieren mit zupacken. Ein kleiner Teil der Äpfel geht direkt an den Handel und an weiterverarbeitende Betriebe, die daraus Saft oder Apfelmus herstellen. Der große Rest kommt ins Lager, wo die Früchte den Winter verbringen. Das bedeutet, dass die Arbeit selbst bei Eis und Schnee in der kalten Jahreszeit nicht ruht, denn dann laufen das Sortieren und der Verkauf auf Hochtouren. Den Strom für die Kühlung der Lagerräume liefert übrigens auch die Fotovoltaikanlage. "Bis minus fünf Grad geht der Baumschnitt weiter", erzählt Johannes, der die kalten Tage gern nutzt, um seine Schützlinge in Form zu bringen.

Hopfen in luftiger Höhe

Neben den 15 Hektar Apfelplantage bewirtschaften Peter und Johannes Bentele sieben Hektar Hopfen. Während sie im Winter die Gerüstanlagen reparieren, an denen sich die Pflanzen hinaufranken werden, folgt im Frühjahr die Vorbereitung des Bodens. Dann werden die Unkräuter beseitigt und eine natürliche Düngung eingebracht. Vater und Sohn schneiden den Hopfen zurück, so dass er neu austreibt. Wenn er das dann tut, müssen sie sicherstellen, dass all die Drähte ordentlich hängen, an denen die Triebe später emporklettern. Von da an pflegen die zwei immer wieder den Boden und die Pflanzen, so dass ab Ende August die Hopfenernte beginnen kann.

Übrigens greifen auch die Öko-Bauern hin und wieder zur Spritze: Außer dem Brennnesselsud bringen sie so Molke aus. "Die wirkt als Dünger und hilft gegen Spinnmilben und Blattläuse." Ansonsten setzen sie auf Vielfalt: Rund zwei Kilometer Hecken haben die Benteles im Lauf der Jahre als natürliche Schutzmauern angepflanzt. Hier finden nützliche Insekten, Vögel und manch anderes Getier Unterschlupf. Artenreiche Biotope stellen auch die Feuchtwiese und die beiden Teiche auf dem Anwesen dar. Kleiner Zusatznutzen: "Das Schilf nehmen wir gern zum Kompostieren." Jedes Jahr im Frühjahr greift die Kooperation mit einem Öko-Imker vom Ort: Er bringt 20 Bienenvölker vorbei, so dass die Bestäubung der Apfelblüten sichergestellt ist.

Zertifizierte Öko-Produkte, denen Sie vertrauen können

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Demeter-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Demeter-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer DE-BW-022-9985-ABD geführt wird.

Weitere Informationen:

Website des Demeter-Verbandes

Kräftige Familienbande

"Im Sommer kommen alle 14 Tage Gruppen vorbei und schauen sich den Betrieb an", berichtet Peter. Er selbst hält auch Vorträge über seine Arbeit. Daneben engagiert er sich ehrenamtlich als Vorsitzender von Ökobo (Erzeugergemeinschaft Ökologisches Bodenseeobst), ebenso als Vorsitzender des Kirchengemeinderats, als Zugleiter beim Roten Kreuz und als Schriftführer bei der Blutreiter-Gruppe, in der er mitreitet. "Das ist nicht nur altes Brauchtum", erklärt Senior Bentele stolz, "bei dieser katholischen Bittprozession am Sommeranfang bitten wir Bauern auch um eine gute Ernte."

Johannes widmet seine freie Zeit vor allem seiner Frau und dem Nachwuchs. Überhaupt spielt Familie bei den Benteles eine besondere Rolle: Johannes' Geschwister Michael und Verena sind beide von Geburt an blind, und doch gehen sie ihren Weg – nicht zuletzt dank des starken Rückhalts von daheim. Beide traten als Spitzensportler mehrfach bei den Paralympics im Biathlon an, Verenas Siege machten sie sogar berühmt. Sie studiert in München Germanistik, während Michael in Hof Verwaltungsrecht studiert.

Bio-Äpfel "mit Gesicht" - für jeden Geschmack die passende Sorte

Johannes und Peter Bentele bauen Äpfel in Demeter-Qualität an, darunter sind Sorten wie der saftig frische Topaz, der fein säuerliche Elstar, der würzige Pinova sowie Boskoop und Jonagold, eine Kreuzung aus Jonathan und Golden Delicious.

Einen großen Teil der Früchte vermarkten sie über die Feneberg Lebensmittel GmbH. Das Unternehmen aus Kempten im Allgäu bietet ihre Bio-Äpfel und daraus hergestellte Produkte "mit Gesicht" in den Feneberg-Filialen unter der regionalen Bio-Marke VonHier an.

Einen Teil ihrer Äpfel verkaufen die Benteles auch ab Hof.

Ab-Hof-Verkauf

nach telefonischer Absprache

Sortiment

Äpfel und Apfelsaft aus eigener Erzeugung bzw. Herstellung
außerdem: verschiedene regionale Bio-Biere mit Hopfen aus eigenem Anbau

Bio vor Ort