Betriebs-Porträt

Wolfatzhof

Bioland-Hof Klotz
Hermann Klotz
Wolfatz 7
88239 Wangen

Sehen wo's herkommt

Wenn in Wolfatz die Kühe kalben

Am liebsten würden wir alle, die sich für unseren Betrieb interessieren, im Spätsommer einmal einladen. Dann taucht nicht nur die Sonne die weite, sanfthügelige Westallgäuer Landschaft in warme, goldene Farben und es duftet überall nach Gräsern, Kräutern und reifem Obst. Es sind vor allem unsere Rinder, die in dieser Zeit ein schönes Bild bieten: Genau in jenen Monaten kommen die Kälber zur Welt. Sie streifen gemeinsam mit den Muttertieren über die Wiesen, tollen mit ihren Altersgenossen herum und machen die wildesten Luftsprünge. Wer das einmal gesehen hat, der weiß, wie leicht man beim Zuschauen die Welt um sich herum vergisst.

Für einen Milchviehbetrieb wie unseren ist das etwas Ungewöhnliches, denn eigentlich werden die Tiere wenige Tage nach der Geburt voneinander getrennt. Schließlich bedeutet die Milch das wirtschaftliche Standbein eines Hofes und je mehr die Kälbchen davon trinken, desto weniger bleibt für den Markt. Mein Kompagnon Josef Diem und ich, Hermann Klotz, wir nehmen aber die kleinen Einbußen gern in Kauf, denn der Anblick der Tiere bedeutet für uns besondere Glücksmomente. Meistens lassen wir Kuh und Kalb ein, zwei Monate beieinander. Die Kälber, die am Hof zur Nachzucht bleiben, laufen sogar ein halbes Jahr lang mit der Mutter.

Zu zweit erreichen wir mehr

Hinter der Betriebsgründung stand vor allem die Idee, dass wir einander unterstützen und die Höfe besser entwickeln können. So war das Erste, was wir gemacht haben, ein gemeinsamer Stallneubau. Das Gebäude entspricht nicht nur den Öko-Standards, sondern bedeutete für uns beide eine Vergrößerung. Zwischen 60 und 70 Milchkühe, drei Stiere und um die 45 Jungtiere halten wir seitdem am Betrieb. Eigentlich wäre noch Platz für mehr, aber weil wir den Tieren ihre Hörner lassen, brauchen sie viel Bewegungsfreiheit, damit sie sich nicht verletzen. Erleichterung brachte uns der Zusammenschluss auch im Alltag. Zum Beispiel wechseln wir uns am Wochenende mit der Stallarbeit ab. Das heißt, während andere Landwirte wirklich jeden Tag für ihre Tiere und den Hof da sein müssen, können wir im Zwei-Wochen-Rhythmus am Samstag und Sonntag die Füße hochlegen. Auch Urlaub, Reisen und kurzfristige Termine, das ist nun alles drin.

Insgesamt bewirtschaften wir 70 Hektar Fläche, also genug, damit wir die Tiere davon versorgen können, ohne zusätzliches Futter zu kaufen. Die warme Jahreszeit verbringen sie komplett im Freien und fressen draußen das frische Gras der Wiesen. Wir holen die Kühe zwar zum Melken in den Stall, aber die Türen stehen immer offen, so dass sie jederzeit wieder hinaus können. Auf den Weiden wächst ein sehr nahrhaftes, kräuterreiches Futter, denn als Öko-Bauern gehen wir behutsam mit den Flächen um. Wir bringen keine chemisch-synthetischen Dünge- oder Pflanzenbehandlungsmittel auf und nutzen keine schwere Maschinen, die den Boden verdichten würden. Die Wiesen, wo die Tiere nicht weiden, ernten wir ab und erzeugen so Heu (das ist der erste Schnitt) und Öhmd (so heißen der zweite und die folgenden Schnitte). Damit füttern wir die Herde im Winter.

Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Bioland-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Bioland-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer D-BW-006-14114-AD geführt wird.

Weitere Informationen:

Website des Bioland-Verbandes

Obstgenuss und Landschaftspflege

Die Einstreu für den Stall gewinnen wir von unseren viereinhalb Hektar Streuwiesen. Das sind sehr artenreiche Feuchtflächen, die nicht gedüngt und erst im Herbst gemäht werden dürfen, um die Pflanzen, Schmetterlinge, Vögel und anderen Tiere möglichst wenig zu gefährden. Daneben betreiben wir noch eine ganz andere Art der Landschaftspflege: mit unserem Jungvieh. Wir sind Mitglied in einer Weidegenossenschaft, die ihre Tiere in der schneefreien Zeit auf einer Alm weiden lässt. So genießen sie über den Sommer nicht nur Bergluft, sondern tragen dazu bei, dass die schönen Bergwiesen gepflegt werden und nicht verbuschen oder gar verwalden.

Auf dass der Funken überspringe

Unsere Hofstellen haben eine lange Geschichte. Eine historische Tafel erzählt davon, dass hier schon im 17. Jahrhundert Landwirtschaft betrieben wurde, als in Wolfatz noch ein Schloss stand. Unsere Familien leben zwar noch nicht so lange hier, können aber auch auf eine stattliche Tradition blicken. Bei mir war es der Urgroßvater, bei Josef Diem der Großvater, die sich als Bauern niedergelassen haben. Gern würden wir dieses Erbe an unsere Kinder weiterreichen, aber noch sind sie in der Ausbildung beziehungsweise stehen ganz am Anfang ihres Weges und müssen selbst erst einmal herausfinden, was sie im Leben machen möchten.

Josef und ich, wir haben immer versucht, unseren Kindern die Landwirtschaft als etwas Positives, Zukunftsfähiges zu vermitteln. Immerhin bedeuten die Höfe für uns beide einen Vollerwerb. Zugleich lassen sie uns Zeit für Hobbys und Ehrenämter, zum Beispiel engagieren wir uns in der freiwilligen Feuerwehr. Auch unseren Ehefrauen bleibt die Freiheit, dass sie weiter in ihrem Beruf arbeiten können: Meine Frau Gertrud ist Physiotherapeutin, Maria arbeitet als Kinderkrankenschwester. In den nächsten Jahren werden wir alle fest die Daumen drücken, dass unsere Begeisterung für die Landwirtschaft auf mindestens eines der Kinder überspringt.

Allgäuer Bio-Milch für Milchprodukte "mit Gesicht"

Wir betreiben ökologische Milchviehhaltung und liefern die Milch an die Zurwies Frische GmbH. Sie fertigt daraus feine Milchprodukte, die in den Feneberg-Filialen im Allgäu unter der regionalen Bio-Marke VonHier angeboten werden.

Bio vor Ort