Betriebs-Porträt

Wolfatzhof

Wolfatzhof GbR
Mathias Miller
Wolfatz 7
88239 Wangen

Sehen wo's herkommt

Kälber dürfen bei den Müttern bleiben

Am liebsten würde er alle, die sich für naturnahe Landwirtschaft interessieren, im Spätsommer einmal einladen. Denn dann könnte Mathias Miller auf dem Wolfatzhof im Westallgäu den Besuchern ein besonders schönes Bild zeigen: Auf den Wiesen tollen die frisch geborenen Kälber herum und machen die wildesten Luftsprünge. Sie werden nach der Geburt nicht von ihren Müttern getrennt, sondern dürfen bei ihnen säugen und mit ihnen über die Weide streifen. Für einen Milchviehbetrieb ist das etwas sehr Ungewöhnliches, denn üblicherweise werden Kälber und Kühe nach der Geburt getrennt. Schließlich bedeutet die Milch das wirtschaftliche Standbein eines Hofes. Aber Landwirt Mathias Miller nimmt – wie schon seine Hofvorgänger – diese Einbußen gern in Kauf. Meistens lässt er Kuh und Kalb ein, zwei Monate beieinander. Die Kälber, die am Hof zur Nachzucht bleiben, laufen sogar ein halbes Jahr lang mit der Mutter.

Bevor Mathias Miller den landwirtschaftlichen Betrieb bei Wangen 2018 pachtete, wurde dieser von Hermann Klotz und Josef Diem geführt und schon 1988 auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Genau genommen wurden damals zwei Höfe zusammengeführt: Denn die beiden Nachbarn Diem und Klotz waren sich einig, dass sie im Einklang mit der Natur arbeiten wollten und gründeten die Wolfatzhof GbR.

Zu zweit erreicht man mehr

Hinter der Betriebsgründung stand vor allem die Idee, dass die beiden Bauern einander unterstützen und die Höfe besser entwickeln wollten. So war das erste, was gemacht wurde, ein gemeinsamer Stallneubau. Das Gebäude entspricht nicht nur den Öko-Standards, sondern bedeutete eine Vergrößerung. Zwischen 60 und 70 Milchkühe, drei Stiere und um die 15 Jungtiere werden seither am Betrieb gehalten. Eigentlich wäre noch Platz für mehr, aber den Tieren ihre Hörner gelassen werden, brauchen sie viel Bewegungsfreiheit, sonst käme es schneller zu Verletzungen. Erleichterung brachte der Zusammenschluss auch im Alltag, zum Beispiel bei der Stallarbeit. Der Wolfatzhof, beziehungsweise die beiden Hofstellen, die zusammengelegt wurden, haben eine lange Geschichte. Eine historische Tafel erzählt davon, dass hier schon im 17. Jahrhundert Landwirtschaft betrieben wurde, als in Wolfatz noch ein Schloss stand.

Insgesamt bewirtschaftet Mathias Miller 70 Hektar Fläche, also genug, damit er die Tiere versorgen kann, ohne zusätzliches Futter zu kaufen. Die warme Jahreszeit verbringt das Vieh komplett im Freien und frisst draußen das frische Gras der Wiesen. Die Kühe werden zwar zum Melken in den Stall geholt, aber die Türen stehen immer offen, so dass sie jederzeit wieder hinaus können. Auf den Weiden wächst ein sehr nahrhaftes, kräuterreiches Futter, denn als Öko-Bauer geht Mathias Miller behutsam mit den Flächen um, bringt keine chemisch-synthetischen Dünge- oder Spritzmittel auf und nutzt keine schweren Maschinen, die den Boden verdichten würden.

Obstgenuss und Landschaftspflege

Die Einstreu für den Stall gewinnt der Landwirt von 4,5 Hektar Streuwiesen. Das sind sehr artenreiche Feuchtflächen, die nicht gedüngt und erst im Herbst gemäht werden dürfen, um die Pflanzen, Schmetterlinge, Vögel und anderen Tiere möglichst wenig zu gefährden. Daneben betreibt er noch eine ganz andere Art der Landschaftspflege: mit dem Jungvieh. Der Wolfatzhof ist Mitglied in einer Weidegenossenschaft, die ihre Tiere in der schneefreien Zeit auf einer Alm weiden lässt. So genießen sie über den Sommer nicht nur Bergluft, sondern tragen dazu bei, dass die schönen Bergwiesen gepflegt werden und nicht verbuschen.

Etwas Besonderes sind auch die Streuobstwiesen um die Ställe herum, wo ein wenig Bio-Obst angebaut wird. Im Herbst beginnt das Mosten und das Brennen. Der Saft und die frischen Äpfel sind im Handel gefragt, ebenso der Schnaps. Daneben gehören vier Hektar Wald zum Betrieb. Doch im Zentrum steht natürlich die Milchwirtschaft. Und die wird hier eben auf ganz besondere Art und Weise betrieben: Mit Kälbern, die bei ihren Müttern trinken dürfen.

Bio vor Ort