Betriebs-Porträt

Hofgut Rimpertsweiler

Hofgut Rimpertsweiler
Thomas Uhlenhoff und Fred Nardo
Rimpertsweiler 1
88682 Salem

07544 73524
07544 742347

rimpertsweiler(at)web.de

Das Team vom Hofgut Rimpertsweiler betreibt Landwirtschaft nach biologisch-dynamischen Grundsätzen.

Sehen wo's herkommt

 

Von Europa in die Staaten – und zurück

Fred Nardo lebt hier seit 1999, und auch seine Geschichte klingt zum Teil wie ein Märchen. Als der Amerikaner 1967 die High School verlässt, ist sein Land in Aufruhr: Die Menschen demonstrieren gegen den Krieg in Vietnam, Studenten und Bürgerrechtler revoltieren, Wertesysteme verschieben sich und mit der Kritik an Konsum und Gesellschaft schlagen viele den Weg "zurück zu den Wurzeln" ein. Dieses "back to the roots" zieht auch den 18-Jährigen an: "Viele haben sich damals in der Landwirtschaft probiert. Ich auch und mir hat's gefallen." Vor allem der biologisch-dynamische Landbau. Doch er findet keinen Betrieb, der seinen Vorstellungen entspricht.

Frustriert über das Andauern des Vietnamkriegs will der junge Landwirt "nichts mehr mit Amerika zu tun haben" und macht sich 1974 "mit nur einer Adresse im Gepäck" auf nach Europa. Sein Ziel ist die Schweiz, ein biologisch-dynamischer Betrieb, der mit Behinderten arbeitet. "Das war für mich wie maßgeschneidert: Liebe auf den ersten Blick!" Seither lebt Fred in Europa – wo er schließlich in Rimpertsweiler Wurzeln schlägt. "Jedes Land bedeutet, sich neu zu finden, eine neue Sprache zu sprechen. Ein neues Leben", sinniert der Weltenbummler, und für einen Moment schweifen seine Augen ab, als suchten sie die Essenz aus all diesen Erfahrungen. Der vielseitige Landwirt spricht makelloses Deutsch, ebenso Französisch, und er lernt Italienisch, die Sprache seiner Großväter. Beide waren um 1900 aus Italien in die USA ausgewandert.

Viel Arbeit auf dem Weg der Heilung

Er und sein Kollege Thomas Uhlenhoff betreiben den Hof nicht in Eigenregie, sondern als Angestellte und Mitglieder der "Gemeinschaft für Therapie und Landbau". Dieser Verein kooperiert mit den "siebenzwergen" – einer Klinik, die wohl alles andere als klinisch steril und kalt ist. Ihre zeitgemäße Architektur fügt sich wie selbstverständlich in die Landschaft ein, die Therapie-Konzepte gelten als ungewöhnlich, aber wirksam. Ein Teil der Behandlung ist die Arbeit am Hof. "Wir machen nicht nur gesunde Lebensmittel", sagt Fred, "durch die Landwirtschaft kann auch der Mensch gesund werden."

Zu tun gibt es genug: Da ist der Gemüseanbau auf den Feldern und im Gewächshaus, die Pflege der Hecken und von sechs Hektar Wald. Ebenso gilt es, Getreide und Beerensträucher zu versorgen. "2009 und 2010 haben wir 500 Obstbäume gepflanzt", erzählt der rührige Betriebsleiter. Jetzt wachsen rund 1.000 Bäume auf den Wiesen: Streuobstbäume, so dass artenreiche Biotope entstehen, in deren Schatten die Schafe und Rinder weiden. Die Schafherde umfasst 20 Muttertiere und deren kleine Schützlinge, die Rinderherde – Milchkühe und Kälber – zählt um die 120 Tiere. So erzeugt der Hof Milch, Fleisch und die Menge an Mist und Gülle, die auf den Äckern zur Düngung gebraucht wird.

Vom sorgsamen Umgang mit der Natur

Alle Tiere leben artgerecht; die warme Jahreszeit verbringen sie auf den Weiden, die kalten Tage im Laufstall, wo sie sich frei bewegen können. Ihr Futter kommt direkt vom Hof: Im Sommer gibt es frisches Gras, im Winter Heu und Silage (durch Milchsäuregärung konserviertes Grünfutter) – 60 Hektar Grünland geben das allemal her. Die restlichen 40 Hektar dienen dem Acker- und Obstbau. Zudem pflanzt die Mannschaft Kleegras an, als Futterpflanze, aber auch, um dem Boden auf natürliche Weise Stickstoff zuzuführen. Chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenbehandlungsmittel sind im ökologischen Landbau und somit auch in Rimpertsweiler tabu.

Vielmehr setzen die Bauern auf die Kraft der Natur. Selbstgemachte Demeter-Präparate fördern die Bodenfruchtbarkeit und unterstützen das Wachstum der Pflanzen. Häufige Fruchtwechsel auf den Äckern und ein vielgestaltiges Umfeld bremsen die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen. Hinzu kommt eine Menge behutsamer Handarbeit bei der Pflege der Tiere und Flächen. Die acht angestellten Mitarbeiter – im Sommer sogar zehn – haben allerhand zu tun. Unter ihnen sind bis zu vier Lehrlinge und oft gesellen sich Studenten und Praktikanten dazu. Ebenso arbeiten um die 20 Patienten am Hof sowie einige Ehemalige, die zur Nachsorge bleiben.

Garantiert ökologisch erzeugte Produkte

Wie jeder ökologisch wirtschaftende Betrieb wird auch unser Demeter-Hof mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung und zusätzlich der Demeter-Verbandsrichtlinien überprüft. Diese Kontrollen führt eine unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstelle durch, bei der unser Betrieb unter der Kontrollnummer DE-BW-022-3767-ABD geführt wird.

Weitere Informationen:

  • <link http://www.demeter.de/ _blank linkext "öffnet in neuem Fenster">Website des Demeter-Verbandes</link>

So wird das Morgen vorbereitet

Der Umweltschutz ist in Rimpertsweiler Teil der Arbeit und des Alltags, doch auch darüber hinaus engagiert sich die Mannschaft. Sie pflegt eine Feuchtfläche im Naturschutzgebiet sowie eine Streuwiese, die nur einmal im Jahr von Hand gemäht werden darf.

Alternative Energien nutzt der Hof in Form von Öko-Strom aus der Steckdose, einer kleinen Solar-Anlage, die das Wasser erwärmt, einer Holzheizung und einem Kachelofen.

Während Fred mit der Begeisterung für Landwirtschaft und Umwelt auch seine drei Söhne angesteckt hat, bemüht sich Thomas beim Demeter-Nachwuchs, diese Leidenschaft zu entfachen: Er arbeitet ehrenamtlich für die Freie Landbauschule Bodensee (Freie Schule für biologisch-dynamische Landwirtschaft e.V.). Und noch etwas am Hof weist den Weg gen Zukunft: das Keyserlingk-Institut. Es beschäftigt sich mit Saatgutforschung und der Züchtung neuer regionaler Weizensorten für den ökologischen Landbau.

Weitere Informationen:

  • <link http://www.landbauschule-bodensee.de/ _blank linkext "öffnet in neuem Fenster">Website der Freien Landbauschule Bodensee </link>
  • <link http://www.saatgut-forschung.de/ _blank linkext "öffnet in neuem Fenster">Website des Keyserlingk-Instituts</link>

Bio-Lebensmittel für die Bodenseeregion

Das Hofgut Rimpertsweiler produziert Gemüse, Getreide, Mostobst und Beerenfrüchte, außerdem Kräuter sowie Milch und Fleisch von Kuh und Schaf. In die landwirtschaftliche Arbeit werden ehemals drogensüchtige Patienten integriert, was ihnen hilft, den Weg in ein normales Leben zu finden.

Petersilie, Schnittlauch, Wirsing und Zucchini liefert das Hofgut an die Feneberg Lebensmittel GmbH in Kempten. Sie bietet die Produkte in den Filialen im Allgäu unter der regionalen Bio-Marke VonHier an.

Weitere Abnehmer der Hoferzeugnisse sind die Heilstätte "siebenzwerge" sowie Naturkostläden, Verarbeiter und der Bio-Großhandel in der Region.

Im Hofladen und auf den Wochenmärkten in der Umgebung können sich die Kunden mit Waren "direkt vom Erzeuger" eindecken.

Ein kleines Nebenstandbein des Betriebes ist seit 2005 das mobile Pizza-Geschäft: In zwei fahrbaren Holzöfen backen die findigen Bauern Bio-Pizza, vorwiegend aus selbst erzeugten Zutaten. Diese bieten sie auf dem Konstanzer Weihnachtsmarkt und anderen Veranstaltungen an.

Öffnungszeiten

Mittwoch von 8.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 18.00 Uhr

Sortiment

  • Gemüse und Kräuter der Saison
  • Obst und Beerenfrüchte
  • Schafs-und Rindfleisch, Wurst
  • Milch, Milchprodukte und Käse

Wochenmärkte

  • Pfullendorf: dienstags
  • Frickingen: mittwochs und samstags
  • Uhldingen: donnerstags
  • Meßkirch und Salem: freitags

Hier wacht ein Sperber über Zwergen

Wer zum Hofgut Rimpertsweiler fährt, durchquert ein gutes Stück vom Linzgau im Hinterland des Bodensees. Über mehrere Kilometer schlängelt sich die Straße durch die Salemer Ortsteile Leutkirch und Oberstenweiler; immer schmaler wird sie dabei, immer ruhiger zeigt sich die Landschaft aus Wiesen, Obstplantagen und Wald. Schließlich, auf einer Anhöhe, einem Nebengipfel des Gehrenbergs, taucht eine Häusergruppe auf: die Fachklinik für Drogenkrankheiten "siebenzwerge". Dahinter zeichnen sich unter den mächtigen Wipfeln alter Linden die Hofgebäude ab.

Vieles wirkt hier märchenhaft. Überall wachsen Blumen, Hecken und Sträucher, ein Weiher verbirgt sich hinter Schilf, hohen Gräsern und jungen Eschen, das Hauptgebäude schmückt sich mit altem Fachwerk und an einem Nebenhaus ranken Rosen. Ein riesiger Stein trägt das Datum 1277 und das Bild eines Vogels. "Es ist ein Sperber", sagt Fred Nardo, der den Hof zusammen mit Thomas Uhlenhoff leitet. Der mythische Raubvogel wacht über den Ort – und ziert daher auch das Logo des Betriebs. Hier wachsen Kräuter, verschiedene Gemüse sowie Beeren, Obst und eine Pflanze mit dem geheimnisvoll klingenden Namen Lichtwurzel. Seit 1974 ist das Hofgut Demeter-zertifiziert.

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